 ein edlerer und höherer Sinn für Kunst vorhanden wäre, diejenigen
Leute, welche große Summen für Schmuck ausgeben, dieselben Summen oder
vielleicht noch größere dahin verwenden würden, dass sie gleich wirkliche
Kunstwerke in Juwelen bestellten. Dagegen erwiderte mein Freund, dass, wie hoch
der Kunstsinn auch stehe, und wie weit er sich verbreite, doch die Zahl derer
immer größer bleiben würde, welche bloß Schmuck als Schmucksachen kaufen, als
derer, welche Kunstwerke in Kleinodien entwerfen und ausfahren lassen, was er
allerdings als die höchste Spitze seines Berufes ansehen würde. Dazu komme noch,
dass mancher, der Kunstsinn habe, von der Schönheit der Steine sich gefangen
nehmen lasse, und zuletzt nichts begehre als diese einzige Schönheit. In dem
letzten Grunde hatte mein Freund ganz besonders recht; denn je mehr ich selber
die Steine betrachtete, je mehr ich mit ihnen umging, eine desto größere Macht
übten sie auf mich, dass ich begriff, dass es Menschen gibt, welche bloß eine
Edelsteinsammlung ohne Fassung anlegen und sich daran ergötzen. Es liegt etwas
Zauberhaftes in dem feinen samtartigen Glanze der Farbe der Edelsteine. Ich zog
die farbigen vor, und so sehr die Diamanten funkelten, so ergriff mich doch mehr
das einfache, reiche, tiefe Glühen der farbigen.
    Meinen Beruf, den ich im Sommer bei Seite gesetzt hatte, nahm ich wieder
auf. Ich machte mir gleichsam Vorwürfe, dass ich ihn so verlassen und mich einem
planlosen Leben hatte hingeben können. Ich tat das, wozu der Winter gewöhnlich
ausersehen war, und setzte die Arbeiten der vorigen Zeiten fort. Das Regelmässige
der Beschäftigung übte bald seine sanfte Wirkung auf mich; denn was ich trotz
der freudigen Stimmung, in welcher ich aus meinen Erringungen in der Kunst und
in der Wissenschaft war, doch Schmerzliches in mir hatte, das wich zurück und
musste erblassen vor der festen, ernsten, strengen Beschäftigung, die der Tag
foderte, und die ihn in seine Zeiten zerlegte.
    Ich besuchte auch, wie im vergangenen Winter, meine Kreise, dann Musik- und
Kunstanstalten.
    Dass das alles vereinigt werden konnte, musste eine genaue Zeiteinteilung
gemacht werden, und ich musste die Zeit richtig verwenden. Dazu war ich wohl von
Kindheit an gewöhnt worden, ich stand sehr früh auf, und hatte manches für den
Tag schon an der Lampe fertig gemacht, wenn die allgemeine Frühstunde in unserm
Hause heran rückte und man sich zu dem Frühmahle versammelte. Dazu brauchte ich
nicht viel Schlaf und konnte manche Stunde von der beginnenden Nacht nehmen. Die
Tätigkeit stärkte, und wenn ein Schwung und eine Erhebung in meinem Wesen war,
so wurde der Schwung und die Erhebung durch die Tätigkeit noch klarer und
fester.
    Einer meiner ersten Gänge war nach meiner Zurückkunft zu der Fürstin,
