 gelten lassen, was ich unternahm. Er pflegte zu sagen, das, was
ich jetzt vor Augen habe, sei das Künstlerische, mein Früheres sei ein Vergnügen
gewesen. Ich nahm häufig, wenn ich nicht in das Reine kommen konnte, zu den
Bildern meine Zuflucht, und suchte zu ergründen, wie es dieser und jener gemacht
habe, um zu dem Ausdrucke zu gelangen, den er darstellte. Mein Vater sagte, das
sei der geschichtliche Weg der Kunst, man könne ihn verfolgen, wenn man große
Bildersammlungen besuche, und wenn die Werke ohne große Lücken da sind, um sie
vergleichen zu können. Das sei auch außer der genauesten Betrachtung der Natur
und der Liebe zu ihr der Weg, auf dem die Kunst wachse, und auf dem sie bei den
verschiedenen Anfängen, die sie in verschiedenen Zeiten und Räumen gehabt habe,
gewachsen ist, bis sie wieder versank oder zerstört wurde, um wieder zu
beginnen, und zu versuchen, ob sie steigen könne. Wo der bare Hochmut auftritt,
der alles Gewesene verwirft und aus sich schaffen will, dort ist es mit der
Kunst wie auch mit andern Dingen in dieser Welt aus, und man wirft sich in das
bloße Leere.
    Außer dem Zeichnungsunterrichte setzte ich mit der Schwester auch die
Übungen in der spanischen Sprache und im Ziterspiele fort. Sie war ohnehin von
Kindheit an geneigt gewesen, alles, was ich tat, ein wenig nachzuahmen, und ich
hatte immer die Lust gehabt, ihr Führer zu werden. Dies blieb jetzt zum Teile
auch so fort.
    Der Unterricht, welchen mir mein Freund, der Sohn des Juwelenhändlers, in
der Edelsteinkunde gegeben hatte, wurde wieder aufgenommen und fortgesetzt. Da
wir auch außerdem in manchen Stunden einen freundlichen Umgang mit einander
pflegten, so nahm ich mir eines Tages, obwohl es mir stets schwer wird, jemanden
über seinen ihm eigentümlichen Beruf etwas zu sagen, doch den Mut, ihn meine
Gedanken über die Fassung der Edelsteine wissen zu lassen, wie ich nämlich
glaube, dass es nicht richtig sei, wenn die Edelsteine von der Fassung erdrückt
würden; dass ich es aber auch für nicht richtig halte, wenn sie keine andere
Fassung hätten, als die sie brauchten, um an dem Kleidungsstücke mit dem Halt,
den sie benötigen, befestigt werden zu können; und dass daher der Mittelweg sich
darbiete, dass die Schönheit des Steines durch die Schönheit der Gestaltgebung
vergrößert werde, wodurch es sich möglich mache, dass der an sich so kostbare
Stoff das Kostbarste würde, nämlich ein Kunstwerk. Ich wies hiebei auf die
Gestaltungen hin, welche die Kunst des Mittelalters hege, und aus denen
geschöpft und weiter fortgeschritten werden könne.
    »Du hast im Grunde vollkommen recht,« erwiderte mein Freund
