 der griechischen Malerei nichts übrig geblieben ist
als Teile von dem, was in dieser Kunst immer als ein untergeordneter Zweig
betrachtet worden ist, von der Wandmalerei und Gebäudeverzierung. Da die
griechische Dichtkunst das Höchste ist, was in dieser Kunstabteilung besteht, da
ihre Baukunst als Muster einfacher Schönheit besonders für die Gestaltungen
ihres Landes gilt, da ihre Geschichtschreiber und Redner kaum ihres Gleichen
haben, so ist anzunehmen, dass ihre Malerei auch diesen Dingen gleichgeartet
gewesen sein müsse. Sie sprechen in Schriften, die bis auf unsere Tage gekommen
sind, von ihren Bauwerken, von ihrer Weltweisheit, Geschichtschreibung,
Dichtkunst und Bildnerkunst nicht höher als von ihrer Malerei, ja nicht selten
scheint es, als zögen sie diese noch vor, also muss auch sie vom höchsten Belange
gewesen sein; denn es ist nicht anzunehmen, dass Schriftsteller, die doch endlich
der Ausdruck, wenn auch der gehobene, ihrer Zeit und ihres Volkes sind, so feine
Kenntnisse und so feines Gefühl in andern Künsten gehabt haben und für Fehler
der Malerei blind gewesen wären. Wahrscheinlich würden wir uns an Strenge und
Rundung in ihrer Malerei ergötzen und sie bewundern, wie wir es mit ihren
Bildsäulen tun. Ob wir an ihnen für unsere Malerei etwas lernen könnten, weiß
ich nicht, so wie ich nicht weiß, wie viel es ist, was wir an ihrer Bildhauerei
gelernt haben. Diese Steine sind durch viele Jahre mein Vergnügen gewesen. Oft
in trüben Stunden, wenn Sorgen und Zweifel das Leben seines Duftes beraubten und
es dürr vor mich hinzubreiten schienen, bin ich zu dieser Sammlung gegangen,
habe diese Gestalten angeschaut, bin in eine andere Zeit und in eine andere Welt
versetzt worden, und bin ein anderer Mensch geworden.«
    Ich sah meinen Vater an. Hatte ich früher schon oft Gelegenheit gehabt, ihn
hoch zu achten, und hatte ich zu verschiedenen Zeiten entdeckt, dass er
bedeutendere Eigenschaften besitze, als ich geahnt hatte, so war ich doch nie in
der Lage, ihn beurteilen zu können, wie ich ihn jetzt beurteilte. In Geschäfte
der eintönigsten Art gezwungen, oder vielleicht selber und freiwillig in diese
Geschäfte gegangen - denn er führte sie mit einer Ordnung, mit einer
Rechtlichkeit, mit einer Ausdauer, mit einer Anhänglichkeit an sie, dass man
staunen musste -, hatte er, der unscheinbar seinen bürgerlichen Obliegenheiten
nachkam, und von dem viele nur glauben mochten, dass er in seinem Hause einige
Spielereien von alten Geräten, Bildern und Büchern habe, vielleicht einen
tieferen und einsameren Kreis um sich gezogen, als ich jetzt noch erkennen
konnte, und hatte ohne Anspruch an diesem Kreise fort gebaut. Ich empfand
Ehrfurcht vor ihm, und fragte ihn, ob er die Schriftsteller, von denen er
spreche, griechisch gelesen habe.
