, ist, dass der Geist eines Menschen uns gleichsam
sinnlich greifbar, ein Gegenstand unserer Liebe und Verehrung, wenn auch
fehlerhaft, doch dem etwas nachgeschaffen hat, den wir in unserer Vernunft zu
fassen streben, den wir nicht in den beschränkten Kreis unserer Liebe ziehen
können, und vor dem die Schauer der Anbetung und Demütigung in Anbetracht seiner
Majestät immer größer werden, je näher wir ihn erkennen. Darum ist die Kunst ein
Zweig der Religion und darum hat sie ihre schönsten Tage bei allen Völkern im
Dienste der Religion zugebracht. Wie weit sie es in dem Nachschaffen bringen
kann, vermag niemand zu wissen. Wenn schöne Anfänge da gewesen sind, wie zum
Beispiele im Griechentume, wenn sie wieder zurück gesunken sind, so kann man
nicht sagen, die Kunst sei zu Grunde gegangen; andere Anfänge werden wieder
kommen, sie werden ganz anderes bilden, wenn ihnen gleich allen das nämliche zu
Grunde liegt und liegen wird, das Göttliche; und niemand kann sagen, was in
zehntausend, in hunderttausend Jahren, in Millionen von Jahren oder in Hunderten
von Billionen von Jahren sein wird, da niemand den Plan des Schöpfers mit dem
menschlichen Geschlechte auf der Erde kennt. Darum ist auch in der Kunst nichts
ganz unschön, so lange es noch ein Kunstwerk ist, das heißt, so lange es das
Göttliche nicht verneint, sondern es auszudrücken strebt, und darum ist auch
nichts in ihr ohne Möglichkeit der Übertreffung schön, weil es dann schon das
Göttliche selber wäre, nicht ein Versuch des menschlichen Ausdruckes desselben.
Aus dem nämlichen Grunde sind nicht alle Werke aus den schönsten Zeiten gleich
schön und nicht alle aus den verkommensten oder rohesten gleich hässlich. Was
wäre denn die Kunst, wenn die Erhebung zu dem Göttlichen so leicht wäre, wie
groß oder klein auch die Stufe der Erhebung sei, dass sie vielen ohne innere
Größe und ohne Sammlung dieser Größe bis zum sichtlichen Zeichen gelänge? Das
Göttliche müsste nicht so groß sein, und die Kunst würde uns nicht so entzücken.
Darum ist auch die Kunst so groß, weil es noch unzählige Erhebungen zum
Göttlichen gibt, ohne dass sie den Kunstausdruck finden, Ergebung, Pflichttreue,
das Gebet, Reinheit des Wandels, woran wir uns auch erfreuen, ja woran die
Freude den höchsten Gipfel erreichen kann, ohne dass sie doch Kunstgefühl wird.
Sie kann etwas Höheres sein, sie wird als Höchstes dem Unendlichen gegenüber
sogar Anbetung, und ist daher ernster und strenger als das Kunstgefühl, hat aber
nicht das Holde des Reizes desselben. Daher ist die Kunst nur möglich in einer
gewissen Beschränkung, in der die Annäherung zu dem Göttlichen von dem Banne der
Sinne umringt ist und gerade ihren Ausdruck in den Sinnen findet. Darum hat nur
der Mensch allein die
