 und es meinem Vater zu bringen.
    Ich äußerte mich, wie schön, wie groß einmal die Kunst gewirkt habe, und wie
dies jetzt anders geworden scheine.
    »Es sind in der Kunst viele Anfänge gemacht worden«, sagte mein Gastfreund.
»Wenn man die Werke betrachtet, die uns aus sehr alten Zeiten überliefert worden
sind, aus den Zeiten der egyptischen Reiche, des assyrischen, medischen,
persischen, der Reiche Indiens, Kleinasiens, Griechenlands, Roms - vieles wird
noch erst in unsern Zeiten aus der Erde zu Tage gefördert, vieles harrt noch der
zukünftigen Enthüllung, wer weiß, ob nicht sogar auch Amerika Schätzenswertes
verbirgt -, wenn man diese Werke betrachtet, und wenn man die besten Schriften
liest, die über die Entwicklung der Kunst geschrieben worden sind, so sieht man,
dass die Menschen in der Erschaffung einer Schöpfung, die der des göttlichen
Schöpfers ähnlich sein soll - und das ist ja die Kunst, sie nimmt Teile, größere
oder kleinere, der Schöpfung und ahmt sie nach -, immer in Anfängen geblieben
sind, sie sind gewissermaßen Kinder, die nachäffen. Wer hat noch erst nur einen
Grashalm so treu gemacht, wie sie auf der Wiese zu Millionen wachsen, wer hat
einen Stein, eine Wolke, ein Wasser, ein Gebirge, die gelenkige Schönheit der
Tiere, die Pracht der menschlichen Glieder nachgebildet, dass sie nicht hinter
den Urbildern wie schattenhafte Wesen stehen, und wer hat erst die Unendlichkeit
des Geistes darzustellen gewusst, die schon in der Endlichkeit einzelner Dinge
liegt, in einem Sturme, im Gewitter, in der Fruchtbarkeit der Erde mit ihren
Winden, Wolkenzügen, in dem Erdballe selber, und dann in der Unendlichkeit des
Alls? Oder wer hat nur diesen Geist zu fassen gewusst? Einige Völker sind
sinniger und inniger geworden, andere haben ins Grössere und Weitere gearbeitet,
wieder andere haben den Umriss mit keuscher und reiner Seele aufgenommen, und
andere sind schlicht und einfältig gewesen. Nicht ein einzelnes von diesen ist
die Kunst, alles zusammen ist die Kunst, was da gewesen ist, und was noch kommen
wird. Wir gleichen den Kindern auch darin, dass, wenn sie ein Haus, eine Kirche,
einen Berg aus Erde nur entfernt ähnlich ausgeführt haben, sie eine größere
Freude darüber empfinden, als wenn sie das um Unvergleichliches schönere Haus,
die schönere Kirche oder den schöneren Berg selbst ansehen. Wir haben ein
innigeres und süsseres Gefühl in unserem Wesen, wenn wir eine durch Kunst
gebildete Landschaft, Blumen oder einen Menschen sehen, als wenn diese
Gegenstände in Wirklichkeit vor uns sind. Was die Kinder bewundern, ist der
Geist eines Kindes, der doch so viel in der Nachahmung hervorgebracht hat, und
was wir in der Kunst bewundern
