 größeren Habe gekommen, die
mir durch eine Erbschaft zugefallen war, und zeigte mich bereit, die Summe zu
erlegen, nur möchte ich mich über das Herkommen des Standbildes noch näher
unterrichten und mir die Gewissheit über das Recht verschaffen, das mein Vormann
bei so veränderter Sachlage über das Bild habe. Meine Forschungen führten zu
nichts weiter, als dass das Bild seit vielen Menschenaltern schon in dem Besitze
der Familie sei, von welcher ich es habe, dass einmal Überreste eines alten
Gebäudes hier gewesen wären, dass man das Gebäude nach und nach abgebrochen habe,
dass man aus Wasserbecken, niederen Säulengittern und andern Dingen von weißem
Steine Kalk gebrannt, und dass man aus den Resten des Gebäudes und mit dem Kalke
Häuser in den Umgebungen gebaut habe. Es seien mehrere Standbilder bei den
Trümmern gewesen und seien verkauft worden. Für das weiße Mädchen mit dem Stabe
in der Hand habe man einmal einen Mantel aus Holz gemacht, darüber ist ein
Streit in Hinsicht der Zahlung entstanden, und die Schrift, welche den Großvater
des jetzigen Besitzers zur Zahlung verurteilte, ist mir in dem Amte zur Einsicht
und beglaubigten Abschrift gewiesen worden. Nachdem ich mir noch einen
Kaufvertrag über das Marmorbild von einem Notar hatte verfassen lassen und mich
mit einer gefertigten Abschrift versehen hatte, erlegte ich die geforderte
Summe, und reiste wieder nach Hause. Hier wurde beraten, wohin das nun mit allem
Rechte mein genannte Standbild kommen sollte. Es war nicht schwer, die Stelle
auszufinden. Ich hatte auf der Marmortreppe schon einen Absatz errichtet, der
einerseits die Treppe unterbrechen und ihr dadurch Zierlichkeit verleihen, und
andrerseits dazu dienen sollte, dass einmal ein Standbild auf ihm stehe und der
Treppe den größten Schmuck verleihe. Nachdem wir uns durch Messungen überzeugt
hatten, dass die Gestalt für den Platz nicht zu hoch sei, wurde der kleine Sockel
verfertigt, auf dem sie jetzt steht, es wurde eine Vorrichtung gebaut, sie auf
den Platz zu bringen, und sie wurde auf ihn gebracht. Wir standen nun oft vor
der Gestalt und betrachteten sie. Die Wirkung wurde statt schwächer immer größer
und nachhaltiger, und unter allen Kunstgegenständen, die ich habe, ist mir
dieser der liebste. Das ist der hohe Wert der Kunstdenkmale der alten heitern
Griechenwelt, nicht bloß der Denkmale der bildenden Kunst, die wir noch haben,
sondern auch der der Dichtung, dass sie in ihrer Einfachheit und Reinheit das
Gemüt erfüllen und es, wenn die Lebensjahre des Menschen nach und nach fließen,
nicht verlassen, sondern es mit Ruhe und Größe noch mehr erweitern und mit
Unscheinbarkeit und Gesetzmässigkeit zu immer größerer Bewunderung hinreißen.
Dagegen ist in der Neuzeit oft ein unruhiges Ringen nach Wirkung, das die Seele
nicht gefangen nimmt, sondern als ein Unwahres von sich stößt
