
demselben zu schwimmen. Diese Tätigkeit, so wie die andern Körperbewegungen und
Übungen, die für ihn in dem Rosenhause angeordnet waren, schienen ihm viele
Freude zu machen. Mein Gastfreund hielt auf körperliche Übungen sehr viel, da
sie zur Entwicklung und Gesundheit unumgänglich notwendig seien. Er lobte diese
Übungen sehr an den Griechen und Römern, welche beiden Völker er auf eine
hervorragende Weise ehrte. Das liege auf der Hand, pflegte er zu sagen, dass, so
wie die Krankheit des Körpers den Geist zu etwas anderem mache, als er in der
Gesundheit des Körpers ist, ein kräftiger und in hohem Masse entwickelter Körper
die Grundlage zu allem dem abgebe, was tüchtig und herzhaft heißt. Bei den alten
Römern ist ein großer Teil ihrer Erfolge in der Geschichte und ihres früheren
Glückes in der Pflege und Entwicklung ihres Körpers zu suchen. Ihr Glück dauerte
auch nur so lange, als die vernünftige Pflege ihrer Leibesübungen dauerte. In
neuen Schulen vernachlässige man diese Pflege zu sehr, die bei uns um so
notwendiger wäre, als sich durch das Zusammengehäuftsein in dunstigen und heißen
Stuben ohnehin Übel erzeugen, die dem Aufenthalte in freier Luft fremd sind.
Darum werden auch die Geisteskräfte von Schülern der neuen Zeit nicht
entwickelt, wie sie sollten, und wie sie es bei Kindern, die in Wald und Feldern
schweifen, freilich auf Kosten ihres höheren Wesens wirklich sind. Daher stamme
ein Teil der Schalheit und Trägheit unserer Zeiten. Ich ging mit Gustav jetzt,
da ich viele Musse hatte, sehr fleißig zu dem Wäldchen, und da ich in der Kunst
des Schwimmens eine große Fertigkeit hatte, so sah er an mir ein Vorbild, dem er
nachstreben konnte, und lernte Gelenkigkeit und Ausdauer mehr, als er es ohne
mich gekonnt hätte.
    Überhaupt gewann Gustav eine immer größere Neigung zu mir. Es mochte, wie
ich mir schon früher gedacht hatte, zuerst der Umstand eingewirkt haben, dass ich
ihm an Alter nicht so sehr ferne stand. Dazu mochte sich gesellt haben, dass ich,
der ich eigentlich sehr einsam und abgeschlossen erzogen worden war, viel tiefer
in spätere Jahre hinein die Merkmale der Kindheit bewahrt haben mochte als
andere Leute, die gleichen Alters mit mir waren, und zuletzt konnte jetzt auch
das wirken, dass ich bei meiner Geschäftlosigkeit viel mehr Berührungspunkte mit
ihm fand, als es bei meinen früheren Anwesenheiten in dem Rosenhause der Fall
gewesen war.
    Ich schrieb nun auf dem Asperhofe mehr Briefe als sonst, ich las in
Dichtern, betrachtete alles um mich herum, schweifte oft weit in die Gegend
hinaus; aber diese Lebensweise wurde mir bald beschwerlich, und ich suchte etwas
hervor, was mich tiefer beschäftigte. Die Dichter als das Edelste, was mir jetzt
begegnete, riefen wieder das
