 Dinge spiegelte. Es war der ernsteste und feurigste
Teppich. Wir mussten hier auch Filzschuhe anlegen. Auf diesem Spiegelboden
standen die schönsten und wohlerhaltensten alten Schreine und andere
Einrichtungsstücke. Es waren hier die größten versammelt. In den zwei
anstoßenden Gemächern standen auf feurig farbigen Holzteppichen die kleineren,
zarteren und feineren. Waren gleich die altertümlichen Geräte nicht schöner als
die bei meinem Gastfreunde - ich glaube, schönere wird es kaum geben-, so zeigte
sich hier eine Zusammenstimmung, als müssten die, welche diese Dinge ursprünglich
hatten herrichten lassen, in ihren einstigen Trachten bei den Türen hereingehen.
Es ergriff einen ein Gefühl eines Bedeutungsvollen.
    »Die Marmore«, sagte mein Gastfreund, »sind aller Orten erworben,
geschliffen, geglättet und nach einer altertümlichen Zeichnung vieler
Kirchenfenster eingesetzt worden.«
    »Aber dass Ihr die Geräte so zusammen gefunden hasst, dass sie wie ein Einziges
stimmen, ist zu verwundern«, sagte ich.
    »Also empfindet Ihr, dass sie stimmen?« erwiderte er. »Seht, das ist mir
lieb, dass Ihr das sagt. Ihr seid ein Beobachter, der nicht von der Sucht nach
Altem befangen ist, wie uns unsere Gegner vorwerfen. Ihr empfangt also das
Gefühl von den Gegenständen, und tragt es nicht in dieselben hinein, wie auch
unsere Gegner von uns sagen. Die Sache aber ist nur so: als man die Nichtigkeit
und Leere der letztvergangenen Zeiten erkannte, und wieder auf das Alte zurück
wies, und es nicht mehr als Plunder und Trödel ansah, sondern Schönes darin
suchte: da geschahen freilich törichte Dinge. Man sammelte wieder Altes und nur
Altes. Statt der neuen Mode mit neuen Gegenständen kam die neueste mit alten
Gegenständen. Man raffte Schreine, Betschemel, Tische und dergleichen zusammen,
weil sie alt waren, nicht weil sie schön waren, und stellte sie auf. Da standen
nun Dinge beisammen, die in ihren Zeiten weit von einander ablagen, es konnte
nicht fehlen, dass ein Widerwärtiges herauskam, und dass die Feinde des Alten,
wenn sie Gefühl hatten, sich abwenden mussten. Nichts aber kann so wenig passen
als alte Dinge von sehr verschiedenen Zeiten. Die Voreltern legten so sehr einen
eigentümlichen Geist in ihre Dinge - es war der Geist ihres Gemütes und ihres
allgemeinen Gefühlslebens -, dass sie diesem Geiste sogar den Zweck opferten. Man
bringt Linnen, Kleider und dergleichen in neue Geräte zweckmässiger unter als in
alte. Man kann daher alte Geräte von ziemlich gleicher Zeit, aber verschiedenem
Zwecke ohne große Störung des Geistes der Traulichkeit und Innigkeit, der in
ihnen wohnt, zusammenstellen, während von unseren Geräten, die keinen Geist,
aber einen Zweck haben, sogleich ein Widersinniges ausgeht, wenn man Dinge
verschiedenen Gebrauches in dasselbe Zimmer tut
