 »das ist der
einzige Luxus, den ich nicht entbehren könnte, und ich preise meinen Stern, der
mich in einer Zeit geboren werden ließ, wo man die Redensart Kein Vergnügen ohne
die Damen, in die jedenfalls passendere Kein Vergnügen ohne eine Zigarre
umgeändert hat.«
    »Sind Sie ein solcher Weiberfeind?«
    »Keineswegs; im Gegenteil, ich beuge mich ganz und gar dem französischen
Wort Ce que femme veut, Dieu le veut und ziehe - deshalb gerade - die nicht so
anspruchsvolle Zigarre vor, die für uns glüht, ohne das gleiche zu verlangen,
die interessant ist, ohne interessiert sein zu wollen, und so weiter, und so
weiter!«
    »Sie sind wirklich ein echtes Kind unserer Zeit, die durch zu viele und zu
verschiedenartige Anspannungen im ganzen bei dem einzelnen das Gehenlassen, die
Ataumasie, die Apathie zur Gottheit gemacht hat.«
    »Puh«, sagte der Zeichner, eine gewaltige Dampfwolke fortblasend, »ich
konnt's mir denken, da sind wir schon in einem solchen Gespräche, wie sie alles
Zusammenleben jetzt verbittern: übrigens ist unsere Zeit durchaus nicht
apatisch, aber der einzelne fängt an, das wahre Prinzip herauszufinden, dass
nämlich die Sache durch die Sache gehen muss. - Nicht jeder erste und taliter
qualiter beste soll sich fähig glauben, den Wegweiser spielen zu können, den Arm
ausstrecken und schreien: Holla, da lauft, dort geht der rechte Weg, dorthin
liegt das Ziel!«
    »Und die seitwärts abführenden Holzwege?...«
    »Laufen alle der großen Straße wieder zu, nachdem sie an irgendeiner
schönen, merkwürdigen, lehrreichen Stelle vorübergeführt haben. Ich, der
Fusswanderer, habe nie soviel Erfahrungen für den Geist, soviel Skizzen für meine
Mappe heimgebracht, als wenn ich mich verirrt hatte.«
    »Sie müssen ein eigentümliches Leben geführt haben und führen!« sagte ich,
den sonderbaren Menschen vor mir ansehend. Er strich mit der Hand über das
sonnverbrannte, verschrumpfte Gesicht und lächelte.
    
    »Ein Leben, das gern auf Irrwegen geht, ist stets eigentümlich!« sagte er.
»Übrigens wird jeder Mensch mit irgendeiner Eigentümlichkeit geboren, die, wenn
man sie gewähren lässt - was gewöhnlich nicht geschieht -, sich durch das ganze
Leben zu ranken vermag, hier Blüten treibend, dort Stacheln ansetzend, dort -
von außen gestochen - Galläpfel. Was mich betrifft, so bin ich von frühester
Jugend auf mit der unwiderstehlichsten Neigung behaftet gewesen, mein Leben auf
dem Rücken liegend hinzubringen und im Stehen und Gehen die Hände in die
Hosentaschen zu stecken. Sie lächeln - aber was ich bin, bin ich dadurch
geworden.«
    »Ich lächelte nur über die Richtigkeit Ihrer Bemerkung. Wir alle sind
Sonntagskinder
