 nach Billigkeit ...«
    »Leset mir das nochmals«, sprach die Herzogin. Ekkehard wiederholte es.
    »Steht's so geschrieben?« frug sie. »Ich hätte nichts eingewendet, wenn
Ihr's selber so eingeschaltet hättet. Glaubt' ich doch schier ein Abbild eigener
Herrschaftführung zu hören ... Mit den Menschen Eures Dichters bin ich wohl
zufrieden.«
    »Es wird wohl leichter sein, sie abzuzeichnen als die Götter«, sprach
Ekkehard. »Es gibt so viel Menschen auf der Welt ...«
    Sie winkte ihm, fortzufahren. Da las er, wie des Äneas Gefährten herankamen,
der Königin gastlichen Schutz anstehend, und wie sie ihres Führers Ruhm künden,
der, von der Wolke verhüllt, nahe stand.
    Und Dido öffnet ihre Stadt den Hilfesuchenden, und der Wunsch steigt in ihr
auf: Wäre doch selbst der König, vom selbigen Sturme gedränget, euer Äneas
allhier! also, dass sehnendes Verlangen den Helden treibt, die Wolke zu
durchbrechen ...
    Doch wie Ekkehard begonnen hatte:
»Kaum war solches gesagt, als schnell des umwallenden Nebels Hülle zerreibt ...«
da kam ein schwerer Tritt den Gang herauf: Herr Spazzo, der Kämmerer, trat ein,
er wollte die neuen Studien seiner Gebieterin beaugenscheinigen - beim Wein
mochte er auch gesessen haben: sein Aug' war starr, der Gruß erstarb ihm auf den
Lippen. Es war nicht seine Schuld. Schon in der Frühe hatte er ein Brennen und
Zucken in der Nase verspürt, und das bedeutet sonder Widerrede einen trunkenen
Abend.
    »Bleibet stehen!« rief die Herzogin, »und Ihr, Ekkehard, leset weiter.«
    Er las, ernst, mit Ausdruck:
    »Siehe! da stand Äneas und strahlt' in der Helle des Tages,
    Hehr an Schulter und Haupt, wie ein Gott, denn die himmlische Mutter
    Hatt' anmutige Locken dem Sohn und blühender Jugend
    Purpurlicht und heitere Würd' in die Augen geatmet:
    So wie das Elfenbein durch Kunst sich verschönet, wie Silber
    Prangt und parischer Stein in des rötlichen Goldes Umrandung.
    Drauf zur Königin wandt' er das Wort und allen ein Wunder
    Redet er plötzlich und sprach: Hier schauet mich, welchen Ihr suchet,
    Mich, den Troer Äneas, gerettet aus libyscher Woge.«
    Herr Spazzo stand verwirrt. Um Praxedis' Lippen schwebte ein verhaltenes
Kichern.
    »Wenn Euch der Weg wieder herführt«, rief die Herzogin, »so wählet eine
schicklichere Stelle zum Eintritt, dass wir nicht versucht werden, zu glauben,
Ihr seid Äneas, der Troer, gerettet aus libyscher Woge!«
    Herr Spazzo trat seinen Rückzug an. »Äneas, der Troer!« murmelte er im
