 sie verkehrt umarmen mit der Linken,
Und alles, was du tust, muss schief und linkisch sein ...«
Waltari ihm erwidert: »O Einaug', halte ein!
Noch werd' ich manchen Hirsch als Linker niederstrecken,
Doch dir wird nimmermehr des Ebers Braten schmecken.
Schon seh' ich queren Auges dich mit den Dienern schelten
Und tapfrer Helden Gruß mit scheelem Blick entgelten.
Doch alter Treu' gedenkend schöpf' ich dir guten Rat:
Bist du der Heimat erst und deinem Herd genaht,
Dann lass von Mehl und Milch den Kindleinbrei dir kochen,
Der schmeckt zahnlosem Mann und stärkt ihm seine Knochen.«
So ward der alte Treubund erneut mit Glimpf und Scherz,
Dann trugen sie den König, dem schuf die Wunde Schmerz,
Und hoben sänftlich ihn aufs Ross und ritten aus,
Nach Worms die Franken zogen, Waltari ritt nach Haus.
Da ward mit hohen Ehren begrüßt der junge Held,
Und bald ward auch Hiltgunde dem Treuen anvermählt.
Nach seines Vaters Tod tat er der Herrschaft pflegen
Und führte dreißig Jahre sein Volk mit Glück und Segen;
Noch in manch schwerem Kampfe gewann er Sieg und Ruhm,
Doch stumpf ist meine Feder und billig schweig' ich drum.
Hochweiser Leser du, schenk' meinem Werke Gnade!
Wohl gleicht mein rauer Reim dem Sang nur der Zikade,
Doch für das Höchste ist mein junger Sinn erglüht.
Gelobt sei Jesus Christ! - So schließt Waltaris Lied.
                          Fünfundzwanzigstes Kapitel.
                              Ausklingen und Ende.
»So schließt Waltaris Lied.« - Er hat brav gesungen, unser Einsiedel Ekkehard,
und sein Waltarilied ist ein ehrwürdig Denkmal deutschen Geistes, die erste
große Dichtung aus dem Kreis heimischer Heldensage, die trotz verzehrendem Roste
der Zeit unversehrt der Nachwelt erhalten ward. Freilich sind andere Töne darin
angeschlagen als in den goldverbrämten Büchlein, die der epigonische Poet
ausheckt, - der Geist großer Heldenzeit weht drin, wild und fast schaurig, wie
Rauschen des Sturmes im Eichwald, es klingt und sprüht von Schwerteshieb und
zerspelltem Helm und Schildrand ein Erkleckliches und ist von minniglichem
Flötenton so wenig zu verspüren als von angegeistetem Schwatzen über Gott und
die Welt und sonst noch einiges: riesenhafter Kampf und riesenhafter Spaß, altes
Reckentum in seiner schlichtfürchterlichen Art, ehrliche fromme schweigende
Liebe und echter dreinschlagender Hass, das waren Ekkehards Bausteine; aber darum
ist sein Werk auch gesund und gewaltig worden und steht am Eingang der
altdeutschen Dichtung, groß und ehrenfest, wie einer jener erzgewappneten
Riesen, die die bildende Kunst späterer Zeiten als Torhüter vor der Paläste
Eingang zu stellen pflegt.
    Und wen die Herbigkeit alter, oft schier heidnischer Anschauung unlieblich
anmuten möchte, gleich einem rauen Luftzug an den Dünen des Meers, draus der
frackumhüllte Mensch Erkältung schöpft und ein Hüstlein
