 ist, undeutlich zu machen, und er
findet ein trübes Behagen an der Mattigkeit und der Bewusstlosigkeit, und
erwartet den Schlaf, als das einzige Glück, was er auf Erden noch hat. Und
wieder wird er einschlafen, und wenn er am nächsten Morgen erwacht, werden alle
die Spinneweben zerrissen sein, und von neuem wird die furchtbare Arbeit
beginnen. So soll es gehen einen Tag, viele Tage, immer, solange er lebt. Nicht
mehr lebt er, wie andere Menschen, sein Dasein ist fortan ein Kampf, ein
grässlicher Kampf gegen einen Leichnam, ein Kampf, den niemand sieht, und der
doch allein seinen Geist beschäftigt. Was er tut, in seinem Geschäft, in
Gesellschaft mit Lebenden, ist nur ein Schein, eine Lüge. Wenn er lacht und wenn
er anderen die Hand schüttelt, und wenn er auf Pfänder leiht und fünfzig vom
Hundert nimmt, alles ist nur eine Täuschung für andere. Er weiß, dass er
ausgeschieden ist aus der Gesellschaft der Menschen, dass alles leer und
verächtlich ist, was er angreift; nur eines ist es, was ihn beschäftigt, wogegen
er arbeitet, weshalb er trinkt und schwatzt und sich unter Menschen umhertreibt,
und das eine ist der Leichnam des alten Mannes im Wasser.
 
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Außer dem Gips auf Antons Schreibtisch feierten noch andere lebende Wesen des
Hauses einen stillen Triumph. Wer dieses Haus und die Menschen darin so von
Grund aus kannte, wie zum Beispiel die Tante, der durchschaute die Täuschungen,
welche gewisse Leute sich selbst und andern vorspiegelten. Es war möglich, dass
Fremde über vieles den Kopf schüttelten, was jetzt in der Familie vorging; die
Tante tat das ebensowenig, als die übrigen guten Hausgeister. Dass Anton still,
wortkarg, mit bleichen Wangen im Komtoir saß und außer am Mittag niemals in der
Familie erschien, dass Sabine jetzt in Gegenwart ihres Bruders eine Neigung zum
Erröten zeigte, die sie früher nicht gehabt hatte, dass sie stundenlang, ohne ein
Wort zu sprechen, bei ihrer Arbeit saß und danach auf einmal durch das Haus
fuhr, übermütig, wie ein kleines Kätzchen, welches mit einem Zwirnknäuel spielt,
und dass endlich der Hausherr selbst immer auf Anton hinsah, mochte dieser
sprechen oder schweigen, und dabei von Tag zu Tag lustiger wurde, so dass er gar
nicht aufhörte, die Tante zu necken: das alles schien allerdings sehr seltsam,
aber wer seit vielen Jahren genau wusste, was diese Menschen am liebsten aßen,
und was man ihnen alle Monate nur einmal auf den Tisch setzen durfte, ja wer
ihre Strümpfe gestrickt hatte und ihre Halskragen eigenhändig stärkte, wie die
Tante bei mehreren von diesen dreien tat, der sollte doch wohl hinter ihre
Schleichwege kommen. Natürlich kam die
