
Kraft aufhört in der Familie oder im einzelnen, da soll auch das Vermögen
aufhören, das Geld soll frei dahinrollen in andere Hände, und die Pflugschar
soll übergehn in eine andere Hand, welche sie besser zu führen weiß. Und die
Familie, welche im Genuße erschlafft, soll wieder heruntersinken auf den Grund
des Volkslebens, um frisch aufsteigender Kraft Raum zu machen. Jeden, der auf
Kosten der freien Bewegung anderer für sich und seine Nachkommen ein ewiges
Privilegium sucht, betrachte ich als einen Gegner der gesunden Entwicklung
unseres Staats. Und wenn ein solcher Mann in diesem Bestreben sich zugrunde
richtet, so werde ich ihm ohne Schadenfreude zusehn, aber ich werde sagen, dass
ihm sein Recht geschehen, weil er gegen einen großen Grundsatz unsers Lebens
gesündigt hat. Und für ein doppeltes Unrecht werde ich eine Unterstützung dieses
Mannes halten, solange ich befürchten muss, dass meine Hilfe dazu verwandt wird,
eine ungesunde Familienpolitik zu unterstützen.«
    Anton sah traurig vor sich nieder; er hatte Teilnahme, ein warmes Eingehen
in seine Wünsche erwartet, und fand bei dem Mann, der ihm so viel galt, eine
Kälte, die er zu überwinden verzweifelte. »Ich kann Ihnen nicht widersprechen«,
sagte er endlich, »aber ich kann in diesem Falle nicht so denken wie Sie. Ich
habe den ungeheueren Schmerz in der Familie des Freiherrn mit angesehen, und
meine ganze Seele ist voll von Wehmut und Teilnahme und von dem Wunsch, irgend
etwas für die Menschen zu tun, welche mir ihr Herz geöffnet haben. Nach dem, was
Sie mir gesagt haben, wage ich nicht mehr, Sie selbst zu bitten, dass Sie sich um
diese Angelegenheit kümmern. Aber ich habe der Baronin versprochen, ihr, so weit
ich mit meiner geringen Kraft vermag und so weit Ihre Güte mir dies erlaubt,
beim Ordnen ihrer Verhältnisse behilflich zu sein. Ich ersuche Sie um die
Erlaubnis dazu. Ich werde mich bemühen, meine Komtoirstunden regelmäßig
einzuhalten, aber wenn ich in den nächsten Wochen zuweilen eine Stunde versäume,
so bitte ich Sie, mir dies nachzusehen.«
    Wieder ging der Kaufmann schweigend im Zimmer auf und ab, endlich blieb er
vor Anton stehen, sah ihm mit tiefem Ernst in das aufgeregte Gesicht, und es war
etwas wie Trauer in seinen Zügen, als er mit Überwindung erwiderte: »Denken Sie
auch daran, Wohlfart, dass jede Tätigkeit, bei welcher das Gemüt aufgeregt wird,
leicht eine Macht über den Menschen gewinnt, die sein Leben ebensowohl stören
als fördern kann. Dieser Grund ist es, welcher mir die Gewährung Ihres Wunsches
nicht leichtmacht.«
    »Auch ich habe vor Wochen dasselbe wie eine Ahnung gefühlt«, sagte Anton
leise. »Jetzt kann ich nicht anders.
