, soll man fragen, ob man sich dadurch nicht selbst
der Fähigkeit beraubt, einem bessern Mann zu helfen.«
    Anton rief unruhig: »Verdient er nicht einige Rücksicht? Er ist in
Ansprüchen an das Leben erzogen, er hat nicht wie wir gelernt, durch eigene
Anstrengung sich heraufzuarbeiten.«
    Der Kaufmann legte die Hand auf die Schulter des jungen Mannes. »Grade
darum. Glauben Sie mir, einem großen Teil dieser Herren, welche an ihren alten
Familienerinnerungen leiden, ist nicht zu helfen. Ich bin der letzte, zu
verkennen, wie groß die Anzahl tüchtiger Männer auch in dieser Menschenklasse
ist. Und wo ein bedeutendes Talent oder eine edle Persönlichkeit unter ihnen
aufschiesst, mag sie sich grade in ihrer geschützten Stellung vortrefflich
entfalten; aber für den großen Mittelschlag der Menschen ist diese Lage nicht
günstig. Wer von Haus aus den Anspruch an das Leben macht, zu genießen und
seiner Vorfahren wegen eine bevorzugte Stellung einzunehmen, der wird sehr
häufig nicht die volle Kraft behalten, sich eine solche Stellung zu verdienen.
Sehr viele unserer alten angesessenen Familien sind dem Untergange verfallen,
und es wird kein Unglück für den Staat sein, wenn sie untergehen. Ihre
Familienerinnerungen machen sie hochmütig ohne Berechtigung, beschränken ihren
Gesichtskreis, verwirren ihr Urteil.«
    »Und wenn das alles wahr ist«, rief Anton, »so darf es uns doch nicht
abhalten, dem einzelnen als unserm Mitbruder zu helfen, wo unser Mitgefühl
angeregt wird.«
    »Nein«, sagte der Prinzipal, »wo es angeregt wird. Aber es glüht im Alter
nicht mehr so schnell auf, als in der Jugend. - Der Freiherr soll dahin
gearbeitet haben, sein Eigentum aus der großen Flut der Kapitalien und
Menschenkraft dadurch zu isolieren, dass er es auf ewige Zeit seiner Familie
verschrieb. Auf ewige Zeit! Sie als Kaufmann wissen, was von solchem Streben zu
halten ist. Wohl muss jeder vernünftige Mann wünschen, dass der adlige Schacher
mit Grundbesitz in unserm Lande aufhört, jedermann wird es für vorteilhaft
halten, wenn die Kultur desselben Bodens vom Vater auf den Sohn übergeht, weil
so die Kräfte des Ackers am ersten liebevoll und planmässig gesteigert werden.
Wir schätzen ein Möbel, das unsre Vorfahren benutzt haben, und Sabine wird Ihnen
mit Stolz jeden Raum dieses Hauses aufschließen, zu dem schon ihre Urgrossmutter
die Schlüssel getragen hat. So ist es auch natürlich, wenn im Gemüt des
Landwirts der Wunsch entsteht, das Stück Natur, welches ihn umgibt, die Quelle
seiner Kraft und seines Wohlstandes, den Menschen zu erhalten, welche ihm die
liebsten sind. Aber dafür gibt es nur ein Mittel, und dies Mittel heißt, seine
Lieben tüchtig machen zur Behauptung und zur Vermehrung ihres Erbes. Wo die
