,
gefallen ihm nicht. «
    »Sie sind unwürdig«, rief Sabine schnell.
    »Wenigstens nicht, was in diesem Hause ehrenhaft heißt«, erwiderte Anton.
»Fink denkt zu groß und hat zu lange in der Nähe Ihres Bruders gelebt, als dass
ihn die wüsten Spekulationen erfreuen könnten, welche dort drüben nur zu
gewöhnlich sind. Seine Geschäftsfreunde sind zum großen Teil gewissenlose
Menschen, und seine Seele empört sich gegen ihre Genossenschaft.«
    »Und kann Herr von Fink ein solches Verhältnis auch nur einen Tag ertragen?«
frug Sabine.
    »Es ist ein merkwürdiges Schicksal«, antwortete Anton, »dass er, der seinen
eigenen Willen gegen andere so souverän geltend macht, gerade er, der so wenig
geneigt ist, äusserem Zwang zu gehorchen, doch in seiner gegenwärtigen Tätigkeit
überall mit gebundenen Händen arbeitet. Der ganze Mechanismus dieser
Spekulationen ist in Amerika so fest organisiert, dass ein einzelner Teilhaber
wenig daran ändern kann. Und so ist die Lage Finks jetzt, wo er seine Wünsche
erreicht hat, große Kapitalien, Dispositionen über viele Quadratmeilen Landes,
zweifelhafter als je in seinem Leben. Er war immer in Gefahr, gering von andern
Menschen zu denken, jetzt ängstigt mich die herbe Verachtung, mit welcher er von
seinem eigenen Leben spricht. Sein letzter Brief schilderte eine unerträgliche
Lage und ließ irgendeinen gewaltsamen Entschluss ahnen.«
    »Es gibt für ihn nur einen Entschluss«, rief Sabine. »Darf ich fragen, was
Sie ihm geantwortet haben?«
    »Ich habe von ihm gefordert, sich auf der Stelle unter jeder Bedingung von
diesen Geschäften zu lösen. Seinem ernsten Willen wird ein Weg dazu sich bieten,
auch wenn der Ausweg, den ich ihm vorschlug, unmöglich sein sollte. Und ich habe
ihn gebeten, entweder seinen alten Plan auszuführen und ein wirklicher
Gutsbesitzer in Amerika zu werden, oder zu uns zurückzukehren.«
    »Ich wusste, dass Sie so schreiben würden«, sagte Sabine, tief aufatmend. »Ja,
er soll zurückkehren, Wohlfart«, wiederholte sie leiser, »aber nicht zu uns soll
er kommen.« - Anton schwieg.
    »Und glauben Sie, dass Herr von Fink Ihrem Rat folgen wird?«
    »Ich weiß es nicht«, erwiderte Anton langsam, »mein Rat war wenig
amerikanisch.«
    »Aber er war, wie Sie ihn geben mussten«, sagte Sabine mit freudigem Stolz.
    »Ein Offizier wünscht Herrn Wohlfart zu sprechen«, unterbrach sie der
eintretende Diener. - Anton sprang auf, Sabine trat zu ihren Blumen und beugte
sich traurig über die grünen Blätter. Noch schwebte der Schatten des andern
zwischen ihr und ihm.
    Die hastigen Worte des Meldenden erfüllten Anton mit einer unbestimmten
Angst, er
