 die mit ihrem Mann von fern zuzog, eine Nachricht aus der Heimat zu
bringen, da nimmt er dankend das Glas Milch, das ihm die Erfreute an der Tür
reicht, und erzählt ihr eilig, wie lang ihm sonst der Weg von einem Dorf zum
andern in der heißen Sonne geworden. Dann erwacht auch die Begehrlichkeit, die
kindische Base jedes Fortschritts. Die Nadel des Schneiders hat viel an neuen
Stoffen zu nähen, zwischen den Bauernhäusern stellt der kleine Kaufmann seinen
Kram auf, er legt seine Zitronen in das Schaufenster, den Tabak in schönen
Paketen, und lockende Flaschen mit silbernen Zetteln. Und die Schullehrer in den
Dörfern klagen über die Menge der Schüler, ein zweites Schulhaus wird gebaut,
eine höhere Klasse eingerichtet; in einem Schrank einer Wohnstube legt der
Lehrer die erste Leihbibliotek an, und der Buchhändler in der Stadt übergibt
ihm neue Bücher zum Verkauf. - So wird das Leben des starken Landwirts ein Segen
für die Umgegend, für das ganze Land.
    Wehe aber dem Landwirt, dem der Grund unter seinen Füßen fremden Gewalten
verfällt! Er ist verloren, wenn seine Arbeit nicht mehr ausreicht, die Ansprüche
zu befriedigen, welche andere Menschen an ihn machen. Die Geister der Natur
gönnen ihren Segen nur dem, welcher ihnen frei und sicher gegenübersteht, sie
empören sich, wo sie Schwäche, Eile und halben Mut ahnen. Keine Arbeit wird mehr
zum Heil. Die gelbe Blüte der Ölsaat und die blaue Blume des Flachses
vertrocknen ohne Frucht, Rost und Brand fallen über das Getreide, in tödlichem
Faulfieber schwindet der kleine Leib der Kartoffel; sie alle, so lange an
Gehorsam gewöhnt, wissen sie bitter jede Nachlässigkeit zu strafen. Dann wird
für den Herrn der tägliche Gang durch die Felder ein täglicher Fluch; wenn die
Lerche aus dem Roggen aufsteigt, muss er denken, dass die Frucht schon auf dem
Halme verkauft ist, wenn das Gespann der Rinder den Klee nach den Ställen fährt,
weiß er, dass der Ertrag von Milch und Fleisch schon von fremden Gläubigern
gefordert ist, und er muss zweifeln, ob die Fruchtbarkeit, welche seinem Acker
durch das Wiederkäuen der esslustigen Tiere im nächsten Jahr kommen soll, noch
ihm selbst zum Vorteil werden wird. Finster, mürrisch, verzweifelt kehrt er nach
dem Hofe zurück. Leicht wird er dann seiner Wirtschaft und den Feldern fremd, er
sucht jenseits seiner Flur den lästigen Gedanken zu entfliehen, und durch die
Flucht beschleunigt er seinen Untergang. Was ihn vielleicht noch retten könnte,
ein vollständiges Hingeben an die Arbeit, das wird ihm unerträglich.
    Und dreimal wehe dem Landwirt, der übereilt in unverständigem Gelüst die
schwarze Kunst des Dampfes über seine Schollen führt, um Kräfte aus ihnen
hervorzulocken, die nicht darin leben. Ihn trifft
