 auf die deutschen Auswanderer. Welche Masse
unnützen Krames schleppt dies Volk übers Wasser, alte Vogelbauer, zerbrochene
Holzstühle; wurmstichige Wiegen und andern Plunder. Ich habe einen Kerl gekannt,
der in brennender Sonnenhitze acht Tagereisen machte, um einmal Sauerkraut zu
essen. Und wenn sich so ein armer Teufel irgendwo niedergelassen hat und nach
einem Jahre entdeckt, dass er in einer Fiebergegend steckt, so hat er seine ganze
Umgebung mit Gemütlichkeit übersponnen wie mit Spinnweben und ist oft nicht mehr
aus dem Sumpf zu bringen, und wenn er und Weib und Kind darüber zugrunde gehen.
    Da lobe ich mir das, was Sie die Gemütlosigkeit des Amerikaners nennen. Er
arbeitet wie zwei Deutsche, aber er wird sich nie in seine Hütte, seine Fenz, in
seine Zugtiere verlieben. Was er besitzt, das hat ihm gerade nur den Wert, der
sich in Dollars ausdrücken lässt. Sehr gemein, werden Sie mit Abscheu sagen. Ich
lobe mir diese Gemeinheit, die jeden Augenblick daran denkt, wie viel und wie
wenig ein Ding wert ist. Denn diese Gemeinheit hat einen mächtigen freien Staat
geschaffen. Hätten nur Deutsche in Amerika gewohnt, sie tränken noch jetzt ihre
Zichorie statt Kaffee unter der Steuer, die ihnen eine gemütliche Regierung von
Europa aus auflegen würde.«
    »Und fordern Sie von einer Frau denselben Sinn?« fragte Sabine.
    »In der Hauptsache, ja«, erwiderte Fink. »Keine deutsche Hausfrau, die nicht
in ihre Servietten verliebt ist. Je mehr eine von den Lappen hat, desto
glücklicher ist sie. Ich glaube, sie taxieren einander in der Stille, wie wir
die Leute an der Börse: fünfhundert, achthundert Servietten schwer. Die
Amerikanerin ist kein schlechteres Weib, als die Deutsche, aber sie wird über
eine solche Liebhaberei lachen. Sie hat, soviel ihr für den täglichen Gebrauch
nötig sind, und kauft neue, wenn die alten zugrunde gehen. Wozu sein Herz an
solchen Tand hängen, der dutzendweise für etwa vier bis sechs Taler in jeder
Straße zu haben ist?«
    »O es ist traurig, das Leben in ein solches Rechenexempel aufzulösen!«
erwiderte Sabine. »Was man erwirbt und was man hat, verliert seinen besten
Schmuck. Töten Sie die Phantasie und unsere gute Laune, die auch den leblosen
Dingen ihre freundlichen Farben verleiht, was bleibt dann dem Leben des
Menschen? Nichts bleibt, als der betäubende Genuss, oder ein egoistisches
Prinzip, dem er alles opfert. Treue, Hingebung, die Freude an dem, was man
schafft, das alles geht dann verloren. Wer so farblos denkt, der kann vielleicht
groß handeln, aber sein Leben wird weder schön, noch freudenreich, noch ein
Segen für andere.« Unwillkürlich faltete sie
