
sie mit einem kostbaren Kunstwerk in einem Museum. Nur Vater Ehrental war für
ihn nicht vorhanden. Nach den ersten Begrüßungen mit Anton machte der Händler
einige vergebliche Versuche, mit Fink eine Unterhaltung anzuknüpfen. Aber Fink
sprach über ihn weg, als ob ein Stück Luft auf dem Stuhl des Hausherrn sitze.
Und doch war er nicht unartig, jedem war, als müsste es so sein. Ehrental selbst
fand sich mit Demut in die bescheidene Rolle, zu der er verurteilt war, und
rächte sich dadurch, dass er einen ganzen Fasan verzehrte.
    Als Fink merkte, dass es ein wenig unbequem war, die Frauen zu lebhafter
Teilnahme an der Unterhaltung heranzuziehen, fing er an, in seiner Weise mit
Worten zu phantasieren.
    Die Mutter klagte gegen ihn über Bernhards Stubensitzen.
    »Er ist ein Aristokrat«, antwortete Fink gutmütig. »Der zehnte Mensch ist
ihm nicht recht. Die Herren Gelehrten haben alle diese Eigentümlichkeit. Wenn
ich meinem Schöpfer für etwas dankbar bin, so ist es dafür, dass er mich zu einem
einfachen bescheidenen Mann gemacht hat, dessen Kopf nicht stark genug ist,
große Weisheit zu vertragen. Uns gewöhnlichen Menschen wird es am leichtesten,
mit dieser Welt fertig zu werden, wir sind genötigt, uns in andere zu schicken.
Wer aber berechtigt ist, große Ansprüche zu machen wegen seines Wissens oder
wegen seiner Schönheit« - hier neigte er sich mit überzeugender Ehrlichkeit
gegen die Tochter vom Hause - »der findet leicht die Welt nicht so, wie er sie
fordert, während ich und meinesgleichen die Überzeugung haben, dass sie ganz
vortrefflich eingerichtet ist.«
    »Es ist doch viel Gemeines auf der Erde«, sagte Madame Ehrental.
    »Dass ich nicht wüsste«, rief Fink lachend. »Ich gebe Ihnen zu, dass einige
Insekten einen gemeinen Charakter haben, und dass es gemein ist, sich in
Branntwein zu betrinken. Im übrigen kommt vieles auf Ansichten an. Sehen Sie
diese Auster. Ich wette, es gibt zahlreiche Fische und Erdbewohner, welche dies
holde Geschöpf für etwas Gemeines halten, mir erscheint sie als eine der
vornehmsten Erfindungen der Natur. Was verlangen wir von einem Vornehmen? Die
Auster hat alles: sie ist ruhig, sie ist still, sie sitzt fest auf ihrem Grund
und Boden. Sie schließt sich ab gegen die Außenwelt, wie kein anderes Geschöpf.
Wenn sie ihre Schalen zuklappt, so deutet sie auf das Entschiedenste an: Ich bin
für niemand zu Hause; wenn sie ihr perlmutternes Haus öffnet, so zeigt sie den
bevorzugten Ebenbürtigen ein zartes gefühlvolles Wesen. Wenn der Mensch das
Recht hat, etwas Geschaffenes zu beneiden, so ist es die Auster. Sie werden
sagen, dass das Seewasser kein ansprechendes Element ist.
