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wie dem Spross eines so kriegerischen Hauses ziemte. Er hatte dort den Ruf eines
vollendeten Edelmannes erworben. Er war brauchbar im Dienst und ein
vortrefflicher Kamerad gewesen, wohlbewandert in allen ritterlichen Übungen,
zuverlässig in Ehrensachen. Er hatte bei Hofbällen stets schicklich dagestanden,
und sooft er von einer Prinzess befohlen wurde, mit guter Haltung getanzt. Auch
als Mann von Charakter hatte er sich gezeigt, da er aus wirklicher Neigung ein
armes Hoffräulein heiratete, eine liebenswürdige junge Dame, deren Abgang aus
den Quadrillen des Hofes lebhafte Betrübnis in allen Männerherzen hervorrief.
Mit seiner Gemahlin hatte sich der Freiherr als verständiger Mann in die Provinz
zurückgezogen, hatte durch eine Reihe von Jahren fast ausschließlich für seine
Familie gelebt und dadurch den Vorteil erreicht, dass seine Regimentsschulden
sämtlich bezahlt und seine Ausgaben nicht größer waren, als seine Einnahmen.
Sein Haus war vortrefflich eingerichtet, die geringe Aussteuer seiner Frau war
dazu benutzt worden, ihr durch Einrichtung des Parks eine große Freude zu
machen. Der Freiherr hielt einen Weinkeller von guten Tischweinen, hatte zwei
prächtige Wagenpferde und zwei elegante Reitpferde, ging jeden Morgen durch die
Wirtschaft und ritt jeden Nachmittag aufs Feld, hielt viel auf seine Schafherde
und setzte einen Stolz darein, seine feine Wolle gut waschen zu lassen. Er war
ein durchaus ehrlicher Mann, noch jetzt eine imponierend schöne Gestalt,
verstand würdig zu repräsentieren und einen gastfreien Wirt zu machen, und
liebte seine Frau womöglich noch mehr als in den ersten Monaten nach seiner
Vermählung. Kurz er war das Musterbild eines adligen Rittergutsbesitzers. Er war
kein übermäßig reicher Herr, ungefähr das, was man einen Fünftausendtalermann
nennt, und hätte sein schönes Gut in günstigen Zeiten wohl um vieles höher
verkaufen können, als der scharfsinnige Itzig annahm. Er hätte das aber mit
Recht für eine große Torheit gehalten. Zwei gesunde und fähige Kinder
vollendeten das Glück seines Haushaltes, der Sohn war im Begriff als Militär die
Familienkarriere zu beginnen, die Tochter sollte noch einige Jahre unter den
Flügeln der Mutter leben, bevor sie in die große Welt trat.
    Wie alle Menschen, welchen das Schicksal Familienerinnerungen aus alter Zeit
auf einen Schild gemalt und an die Wiege gebunden hat, war auch unser Freiherr
geneigt, viel an die Vergangenheit und Zukunft seiner Familie zu denken. An
seinem Großvater war die trübe Erfahrung gemacht worden, dass ein einziger
ungeordneter Geist hinreicht, das auseinanderzustreuen, was emsige Vorfahren an
Goldkörnern und Ehren für ihre Nachkommen gesammelt haben. Er hätte deshalb gern
sein Haus für alle Zukunft vor dem Herunterkommen gesichert, hätte gern sein
schönes Gut in ein Majorat verwandelt und dadurch leichtsinnigen Enkeln
erschwert, zwar nicht Schulden zu machen, aber dieselben zu bezahlen. Doch die
Rücksicht auf seine Tochter hielt ihn von diesem Schritte ab, es kam seinem
ehrlichen
