 ein Wort
zu sprechen, nebeneinander zurück.
 
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Der Freiherr von Rotsattel gehörte zu den wenigen Menschen, welche nicht nur
von aller Welt glücklich gepriesen werden, sondern auch sich selbst für
glücklich halten. Er stammte aus einem sehr alten Hause. Ein Rotsattel war
schon in den Kreuzzügen nach dem Morgenlande geritten. Wenigstens wurde in der
Familie ein Rokokoflakon von buntem Glas als orientalisches Fläschchen
aufbewahrt, ein Beweis für die Existenz des Ahnherrn und zur Erinnerung an die
schöne Zeit der Kreuzzüge. Ein anderer Rotsattel hatte einen Haufen Bergleute
gegen die Hussiten geführt und war mit dem ganzen Haufen zu seiner und des Herrn
Ehre erschlagen worden. Wieder einer war Fähnrich in dem Heere des Moritz von
Sachsen gewesen, er galt für den Stifter der Linie Rotsattel-Steigebügel, und
sein kriegerisches Bildnis hing noch im Turmzimmer des Schlosses. Ein anderer
hatte sich im Dreissigjährigen Kriege bei verschiedenen Armeen und auf eigene
Faust gerührt; die Familiensage meldete von ihm, er sei ein sehr dicker Herr und
ein großer Trinker gewesen, von kräftiger Suade und etwas freien Sitten. Er war
als erster des Geschlechtes in die Gegend gekommen, in welcher diese Erzählung
verlaufen soll, und hatte eine Anzahl Landgüter auf irgendeine Weise in Besitz
genommen. Unter den Kinderfrauen der Familie bestand seit alter Zeit die düstere
Überzeugung, dass dieser dicke Herr zuweilen im Keller auf einer großen
Krauttonne zu sehen sei, wo er als ruheloser Geist sitze und ächze, zur Strafe
für schauderhafte Vergehungen gegen die Tugend seiner weiblichen Zeitgenossen.
Wieder ein anderer Vorfahr war kaiserlicher Rat zu Wien gewesen; der Urgroßvater
des gegenwärtigen Besitzers war von dem großen König der Preußen starr angesehen
und darauf mit Wohlwollen angeredet worden. Auch der Großvater war zu seiner
Zeit ein unternehmender und vielbesprochener Kavalier gewesen, der in der Armee
keine Lorbeeren gefunden und sich resigniert hatte, dieselben im Boudoir
galanter Damen und am grünen Tisch zu suchen. Leider waren ihm dabei seine Güter
lästig geworden und aus den Händen geglitten. Sein Sohn endlich, der Vater des
gegenwärtigen Besitzers, war ein einfacher Landedelmann von mässigem Geiste, der
nach langen Prozessen das eine stattliche Gut aus den Trümmern des
Familienvermögens rettete und sein Leben damit zubrachte, dasselbe für seine
Nachkommen schuldenfrei zu machen. Die Rotsattel hatten von je in dem Ruf
gestanden, starke Nachkommenschaft zu hinterlassen, und alle älteren Damen aus
der Familie erklärten diese Eigenheit - so höchst achtungswert sie auch sonst
sei - doch für den einzigen Grund, dass das berühmte Haus nicht dazu gekommen
war, die neunzinkige Grafenkrone oder gar den geschlossenen Reif eines
Titularfürstentums auf dem Wappenhelm seines Seniors zu sehen. Gegenüber dem
alten Brauch seines Hauses erwies der Vater auch dadurch seinen bescheidenen
Sinn, dass er nur einen Sohn hinterließ.
    Der gegenwärtige Besitzer des Gutes hatte in einem Garderegiment gedient
