. Nur Lenore nahm sich
zusammen und trat entschlossen auf Fink zu. »Sie haben das Buch, Herr Fink, eine
meiner Freundinnen hat es verloren und ist sehr unglücklich darüber. Sein Inhalt
ist nicht für fremde Augen, er kann in dieser Gesellschaft großen Ärger
verursachen. Ich bitte, dass Sie mir das Buch zurückgeben.«
    »Ein Buch?« fragte Fink neugierig, »was für ein Buch?«
    »Verstellen Sie sich nicht«, sagte Lenore, »es ist uns allen deutlich, dass
Sie es haben. Ich kann nicht glauben, dass Sie es nach dem, was ich Ihnen über
die Folgen gesagt habe, noch einen Augenblick behalten können.«
    »Ich könnte es behalten«, nickte Fink, »Sie sind zu gütig, wenn Sie mir ein
so großes Zartgefühl zutrauen.«
    »Das wäre mehr als unartig«, rief Lenore.
    »Es würde mir das größte Vergnügen machen, mehr als unartig zu sein, wenn
ich das Buch hätte. Ein Buch, das Ihnen, oder einer Ihrer Freundinnen gehört,
das möglicherweise Ihre Handschrift oder eine andere Erinnerung an Sie enthält,
das werde ich Ihnen in keinem Fall zurückgeben, wenn ich es finde; und wenn ich
erfahre, wo es liegt, werde ich es stehlen. Und wenn ich es habe, werde ich es
Zeile für Zeile auswendig lernen. Ich werde Ihnen dadurch zu gefallen suchen,
dass ich Ihnen einige Stellen daraus vortrage, sooft ich die Freude habe, Sie zu
sehen.«
    Lenore trat ihm einen Schritt näher, und ihre Augen flammten: »Wenn Sie das
tun, Herr von Fink«, rief sie, »so werden Sie als ein Unwürdiger handeln.«
    Fink nickte ihr freundlich zu: »Der Eifer steht Ihnen allerliebst, Fräulein;
aber wie können Sie Würde von einem lustigen Vogel verlangen, wie ich bin? Die
Natur hat ihre Gaben verschieden ausgeteilt, manchem hat sie verliehen, Verse zu
machen, andere zeichnen kleine Bilder, ich habe von ihr einen spitzen Schnabel
erhalten, den gebrauche ich. Haben Sie je einen würdigen Zeisig gesehen?« Er
wandte sich lachend ab, fasste Benno Tönnchen am Arm und ging mit ihm nach der
Tür.
    Lenore eilte zu Anton: »Herr von Fink hat das Buch, ich flehe Sie an,
schaffen Sie es uns zurück, er hat sich geweigert. Er darf nicht weiter darin
lesen, es wäre Teones Tod.«
    Anton ergriff hastig seinen Paletot und sprang dem Freunde nach, der bereits
auf der Straße war. »Zu Feroni, Anton!« rief ihm Fink im Arm des Benno Tönnchen
zu.
    »Ich muss etwas im Vertrauen mit dir sprechen«, sagte Anton an seiner
