 Gränze zu treffen.«
    »Die öffentliche Stimme nennt Ihre Finanzen, Ihr Postwesen und Ihre Polizei
vortrefflich.«
    »Ich erkenne an, dass ohne einige kleine Sünden gegen die Paragraphen über
die persönliche Freiheit nicht Ordnung zu halten ist. Dennoch lieben wir auch
hier manche Neuerungen aus dem Jahre 1848 nicht.«
    »Sie haben wenigstens in Preußen den Vorzug, dass zu Ihren Sicherheitsbeamten
stets nur Personen von unbescholtenem Ruf und bewährter Treue, keine Vidocq's
gewählt werden.«
    Der Preuße zeigte nach einem Herrn, der im seinen Reitfrack vorüberging, den
weißen Bibi auf dem etwas kahlen Kopfe und einen großen Brillant im Chemisett. -
»Wissen Sie, dass der Mann dort, der rechts und links grüßt, zehn Jahre in
Spandan gesessen hat und einen der berüchtigsten Gaunernamen der Residenz
trägt?«
    »Und er kommt hierher?«
    »Warum nicht! Sie werden noch ganz andere Dinge auf unserer Runde erfahren.
Der Mann ist reich und man antichambrirt bei ihm unter den Linden. - Sehen Sie
den kleinen Herrn dort - er trägt einen vornehmen Namen, ist ein rastloser
tätiger Geist und hat Vieles geleistet auf dem Felde der politischen Intrigue
in den bösen Jahren. Er hat manchen künftigen General-Konsul gemacht. Man hätte
ihn zum Diplomaten creiren sollen, wenn er nur nicht eben so gut im Hause der
Wucherer, als im Hotel der Minister bekannt wäre.«
    »Der Herr, um den er eben einen Umweg macht?«
    »Ein ehemaliger Schulkamerad von mir; vor ihm und seinem Bruder liegt viel
Zukunft, obschon ihn die Gegenwart in eine schiefe Stellung gebracht hat. Die
Majestät soll 1849 von ihm gesagt haben: Der ..... will wohl gar Minister
werden? - Und dennoch, Freund, wird er's einst sein und ich wünsche es ihm, denn
er ist vielleicht am meisten von der conservativen Partei mit Undank behandelt
worden. Ich weiß, welche zähe Tätigkeit er im Jahre 1848 entwickelt hat! Es
sind Viele in den Reihen unserer Kammeropposition, die damals Männer voll Treue
und Aufopferung waren.«
    »Man sagt im Auslande, das Prinzip der preußischen Regierung nach dem Jahre
48 sei mehr darauf gerichtet gewesen, die Nichtbewährten an sich zu ziehen, als
das Verdienst der Bewährten anzuerkennen?«
    Das Gesicht des Andern wurde ernst. - »Das Gleichniss vom verloren gegangenen
Lamm,« sagte er mit einem gewissen Hohn, »ist christlich, aber nicht politisch.
Die Treue ist kein Verdienst, aber die Untreue ist eine Schmach; das ist ein
ewig geltender politischer Satz, und für das Rechtsgefühl treuer und ehrlicher
Herzen ist es eine tiefe Verletzung, Leute sich jetzt brüsten und blähen und
überall mit ihrem Patriotismus für König und Thron
