 Misshandlungen emporgerüttelt und ihm die Waffe
zum kräftigen zähen Widerstand in die Hand gezwungen worden. Nur die eigene
Gutmütigkeit und die verräterische Schlauheit der Gegner hat ihm das Schwert
wieder aus der Hand gewunden und das Joch auf's Neue auf seinen kräftigen Nacken
gelegt.
    Die Nation zählt, - wenn man die wirklich von ihr bevölkerten Landstriche
nimmt und nicht bloß das kleine Gebiet des alten bulgarischen Königreichs, dem
die Türken diesen Namen gelassen, - gegenwärtig vier und eine halbe Millionen
Seelen, und man darf annehmen, dass jetzt - wo sich die europäischen Mächte
wenigstens dem Massemorden entgegensetzen werden - die Zahl bald derart wieder
sich vermehren wird, dass sie die türkische Bevölkerung eben durch ihr Gewicht
still und ohne Kampf zurückdrängt. Dass sie trotz der Gräuel, welche noch dies
Jahrhundert bis auf die neuesten Zeiten entweihten, trotz der Ströme
bulgarischen Blutes, die vergossen wurden, diese Ziffer erreichen konnte,
verdankt sie dem Umstand, dass der Osmane die Nation bisher als Christen
verächtlich von seinen Heerzügen ausschloss und dass das Wüten der Pest
hauptsächlich nur die fatalistischen Moslems danieder mähete, während sie die
reinlichen vorsichtigen bulgarischen Landbewohner verschonte. Es ist erwiesen,
dass jede große Pest der Türkei fast eine Million Menschen raubt. Die vom Jahre
1838 tödtete in Bulgarien allein 86,000, fast lauter Türken. Charakteristisch
erzählen die Bulgaren, dass der furchtbare »Schwarze Tod« damals durch die
schänderische Gier ihrer Herren entstanden sei. Junge Türken in Bajardzik hätten
sich über den kaum erkalteten Leichnam einer schönen Armenierin geworfen und, an
ihm ihre viehische Gier befriedigend, den Krankheitsstoff in sich aufgenommen
und weiter verbreitet.
    Wir haben gesagt, dass die Bedrückung des Volkes es von Zeit zu Zeit zu einem
kräftigen Widerstand getrieben. Jede Gemeinde hat ihren Spahi oder türkischen
Grundherrn, der sein Spahilik durch den Kiaja oder Stellvertreter verwalten und
durch diesen den Zehenten von allem Besitztum, Getreide, Wein, Früchten und Vieh
erpressen lässt. Nur im Herbst besucht der Türke zuweilen sein Landgut und haust
dann in seiner weißen Kula6, und der Bulgar empfindet nur an den vermehrten
Lasten, an der größeren Gefährdung seiner Frauen und Töchter die Nähe des
Grundherrn7. Außer dem Zehenten hat der Rajah dem Spahi einen dreitägigen
Erntefrohn zu leisten. Doch sind das nur die geringeren Lasten, - noch
drückendere legt ihm die Regierung auf. Neben den extraordinairen Erpressungen
der Pascha's muss er den Haratsch - die Kopfsteuer - mit 15 bis 20 Piastern
jährlich für den Kopf, die Poresa oder Grundsteuer, die sich nach alten festen
Sätzen unverändert richtet, und fast für jeden Gegenstand seines Besitzes Steuer
zahlen. Besjetzt der Bulgare Nichts als sein Weib, so muss er für den Niessbrauch
dieses Gutes allein schon mindestens 100 Piaster geben! Außerdem ist der Pascha
berechtigt, ungemessene
