 ihnen her,
nach den Höhen zu, die sich hinter dem Palais erheben und die Gärten desselben
bilden, den einzelnen Wachen ein Loosungswort zuflüsternd, das sie ungehindert
passieren ließ. Der Weg führt hinter Tschiragan auf Arnaudkoi zu terrassenartig
steil in die Höhe, oft geht man zwischen Felswänden, oft zwischen 30 Fuß hohen
Mauern, welche die Gärten des Sultans vor jedem fremden Blick schützen. Erst auf
der Höhe kann der Blick sich frei und weit entfalten und umfasst den unteren
Bosporus bis rechts nach Skutari hin und links zum Turm von Anatoli Hissar, dem
asiatischen Schloss.
    Auf der Höhe dieses Berggipfels steht ein in italienischem Styl gebautes,
ziemlich großes elegantes Haus. Die Stürme des Pontus und die linden Zephyre des
Südens umspielen seine Mauern, und die feurige Sonne des Orients brennt in seine
Jalousieen und auf seine Balkone. Es liegt auf einer der schönsten Stellen von
Gottes schöner Erde und ist die Wohnung zweier Deutschen, des
Obergartendirektors des Sultans und seines Substituten, beides geborene Bayern.
Auch die Posten der Gehilfen und Untergärtner sind meist von jungen Deutschen
bekleidet.
    Das Haus steht in einem gleichfalls von einer hohen Mauer umgebenen, aber
möglichst nach europäischer Art eingerichteten Garten, der unmittelbar an den
des Großherrn stößt. Eine gleiche Mauer, durch welche ein einziges schmales
Pförtchen führt, zu welchem nur der Obergärtner und sein Stellvertreter den
Schlüssel haben, trennt sie.
    In dem Augenblick, wo wir die Vier hier hinauf begleiten, lag freilich nicht
der Glanz hellen Sonnenscheins, des Frühlings oder Herbstes über jener
herrlichen Aussicht, aber deshalb war sie nicht minder reizend im bleichen
Lichtstrahl des Mondes, der ohnehin die Eigenschaft hat, die Farben aufzuzehren,
und desto großartiger die Formation und Plastik in Licht und Schatten
hervortreten zu lassen. Ein weißer Reif, auf den Felsenplateau's selbst eine
dünne Schneedecke, lag über dem ganzen Bilde, und der schmale Wasserspiegel,
nach Stambul hin sich öffnend, glänzte - wo er aus dem Schatten der Bergwände
trat - gleich einem Silberband.
    Doch war es nur Einer von der Gesellschaft, der diesem herrlichen Anblick
einige Augenblicke widmete, der bereits mehrfach erwähnte deutsch-französische
Baron, der sich auf der Höhe des Plateau's umwandte und, seine Gefährten weiter
gehen lassend, die Augen über dies Eden der Nacht schweifen ließ. Dann folgte er
ihnen rasch, denn die egoistischen Gedanken des Ehrgeizes, des Interesses und
der Sorge in der eigenen Brust machen den Menschen gleichgültig für die
Herrlichkeiten des Allmächtigen um ihn her. Der beste Beweis in der schneidend
bitteren Weise Larochefaucaulds, dass der Mensch alles Erschaffene für sich
erschaffen glaubt. -
    Das Haus mit seinen Umgebungen war still und öde, am Zugang hatte ihnen der
Obergärtner selbst das Tor geöffnet, wieder geschlossen und war dort
zurückgeblieben
