 des Grafen stehen und stützte die Hand darauf.
    »So mögen sie es denn haben,« sagte er nach einer Pause; »man zwingt mich
zum Kriege. Ist er ein Mal eröffnet, so ist sein Ende schwer zu übersehen, und
eine innere Stimme sagt es mir, - ich werde dies Ende nicht erleben. Aber mein
Russland wird, und wenn halb Europa dagegen in die Schranken treten sollte, - es
wird - es muss siegen! Ich habe es dafür stark gemacht.«
    Er ging noch ein Mal gedankenvoll durch das Zimmer.
    »Ich habe diesen Krieg nicht mutwillig oder eigensinnig hervorgerufen, bei
Gott nicht! Aber ich und dieses Reich haben unsere Mission zu erfüllen. Diese
Mission ist das Erbe meiner Väter, ein politisches und ein religiöses. Russland
ist der Damm gegen die Revolutionen, gegen die umstürzenden zerstörenden Ideen
von Westen her; darum, um ihnen Trotz bieten zu können, musste es stark und
mächtig sein, und ich habe getan, was an mir war, selbst auf Kosten des eigenen
Herzens, vielleicht des Rechts, es kräftig in seinem Innern, gefürchtet nach
Außen zu machen. Das schwarze Meer ist eine Lebensnotwendigkeit für Russland,
und um seiner Existenz und Zukunft willen kann und wird es nie dulden, dass am
Bosporus ein anderer Einfluss dominirt. - Seine religiöse Mission, sein Erbe ist
der Schutz unseres heiligen Glaubens im Süden und Osten. Eilf Millionen Christen
sehen aus ihrer Not, aus der täglichen Bedrängnis vertrauend auf mich. - Ich
habe das Werk meines Urgrossvaters Peter fortgesetzt, den Russen zum Bürger
seines Landes zu machen und ihm seine Menschenrechte zu geben, - und ich sollte
zögern, wo es gilt, unseren unterdrückten Glaubensgenossen zu helfen und endlich
ihre Christenrechte zu sichern!?«
    »Erinnern Sie sich, Sire, dass diese Absicht schon ein Mal an der Rivalität
von Frankreich und England scheiterte.«
    »Sie haben Recht, - ich war zu nachgiebig, man soll mich nicht mehr so
finden, wenn man mich denn mit Gewalt herausfordern will.«
    »Wie denken Euer Majestät über den Plan, den Vice-Admiral Nachimow vorgelegt
hat?«
    »Nein, Nesselrode, nein! Ich weiß, dass er den Erfolg mit einem Schlage
sichern, den Sieg in unsere Hände geben und einen vielleicht langen und schweren
Krieg vermeiden würde. Die russische Flotte von Sebastopol unerwartet in den
Bosporus werfen, die Schlösser als Pfand besetzen und Konstantinopel mit einer
Armee im Schach halten - der Plan ist militairisch vortrefflich, aber - es geht
nicht!«
    »Sire - im Fall eines Krieges sichern Sie dadurch allein Ihre Flotte und die
Herrschaft des Meeres.«
    »Nein - nein! - Sebastopol wird meine Flotte schützen, man kann
