 an ihrer Seite gegen meine Landsleute focht, so widmete
ich ihnen doch meine Kunst und wirkte als Arzt unter den Verwundeten und
Sterbenden. Der Fall von Rastatt trieb mich nach Strassburg, von da nach Paris.
Ich hätte vielleicht wiederkehren können in meine Heimat, da ich nicht
compromittirt genug war, um sie mir für immer versperrt zu sehen; gewiss hätte es
nur einer Bitte bedurft; aber teils war ich mit meiner Familie ganz zerfallen
und erhielt nur heimlich hin und wieder einen Brief von den Schwestern, teils
fesselten mich viele Freundesbande an Paris. Das Flüchtlings-Komitee
unterstützte mich und ich gründete mir unter den Verbannten aller Nationen eine
Praxis, die wenigstens ihren Mann nährte. - Aber, ich will es Ihnen gestehen, es
fehlte mir die Befriedigung, ich sehnte mich fort in die Ferne, auf ein Feld, wo
ich mehr wirken und schaffen konnte, aus den erschlaffenden Mauern von Paris mit
seinen tausend politischen und socialen Intriguen hinaus in die frische Natur.
Schon wollte ich nach Algerien gehen, als ein Auftrag von Freunden mir einen
anderen Weg wies. Ich erhielt Empfehlungen nach Konstantinopel und an Herrn de
Latour, den französischen Gesandten, der mir bei den jetzigen Verhältnissen
gewiss leicht eine meinen Absichten entsprechende Stellung verschaffen wird.
Vorläufig werde ich eine kurze Zeit in Smyrna verweilen.«
    »Da ist unser Ziel dasselbe,« sagte freudig der Grieche, dem die etwas
zurückhaltende und vorsichtige Erzählung vollkommen genügte. »Auch ich gehe nach
Smyrna, mögen die Heiligen geben, mit gutem Erfolg. Selbst in anderer Beziehung
ähnelt sich unser Schicksal, auch die Familie Karaiskakis ist ausgewiesen von
hellenischem Boden, aus jener Heimat, die ihr Vater mit seinem Blut erkauft
hat!«
    »Sie sind verwiesen aus Athen?« frug erstaunt der Deutsche. »Aber König Otto
hat Sie und Ihre Brüder ja selbst erziehen lassen als eine Dankespflicht für den
Heldentod Ihres Vaters.«
    »Wir haben auch über den König nicht zu klagen, er ist gut und will das
Beste. Aber Sie kennen die Parteiungen nicht, die das arme Griechenland
zerreißen und es immer am Emporblühen hindern werden. Nur wenn es galt, das
Kreuz gegen unsern alten Erbfeind zu erheben, waren Griechen jedes Stammes
einig, und selbst da noch trieben Neid und Ehrgeiz ihr zerstörendes Spiel. Wenn
der Wille des Königs auch gut, so ruht die Regierung doch größtenteils in
Händen, die nur darauf bedacht sind, zur eigenen Bereicherung oder Unterdrückung
der politischen Gegner alle Macht zu verwenden. Die Verwirrung wird gesteigert
durch die Einflüsse der mächtigern Staaten Europa's. Wo an anderen Höfen die
diplomatische Intrigue ihr verdecktes Ziel zu erreichen strebt, da tritt bei uns
die offene drohende Forderung auf. Das arme gedrückte Hellas erliegt unter der
