 dass
mindestens die Hälfte dieser armen unschuldigen Wesen die Frucht unbewachter
wirklicher Neigung und schwacher, nicht grade verbrecherischer Stunden ist. - In
vielen Fällen erlauben es, ist das Unglück geschehen, die Verhältnisse und
Einrichtungen der bürgerlichen Gesellschaft nun einmal nicht, dass die armen
Kleinen die Pflege der Mütter genießen. Gehören diese den höheren Ständen, - und
der Fall ist hier öfter, als die Welt erfährt, - so suchen sie eben den
geschehenen Fehltritt aus alle Weise zu verbergen und das Kind von seiner Geburt
an außer dem Kreise ihres gewöhnlichen Lebens zu halten. Gehören sie den unteren
Klassen, Nähterinnen, Dienstmädchen, die von ihrer Hände Arbeit leben, denen die
Zeit das tägliche Brot ist, so sind diese schon um ihrer selbst und des Kindes
willen gezwungen, dasselbe sofort in fremde Hände zu geben, um nur möglichst
schnell zum Erwerb wieder zurückkehren zu können.
    Wir haben bereits erwähnt, dass eine große Anzahl von Frauen sich mit der
Aufnahme und Haltung dieser Kinder beschäftigt. - Auch mit der Pflege - mit der
Aufziehung? -
    Es gibt unstreitig unter diesen Frauen viele brave, rechtliche, die ihre
Armut redlich mit den übernommenen Pfleglingen teilen, die nach besten Kräften
und Wissen ihre Pflichten lösen. Aber auch die Beste unter ihnen ist noch immer
keine Mutter, und führen wir die Sache auf die Grundidee zurück, so ist diese
doch immer die Spekulation: jene Frauen wollen und müssen sich und ihre Familien
von diesen Pfleglingen ernähren. Was diesen entzogen wird, kommt ihnen zu Gute.
Haben sie - wie meist der Fall, - noch Nebenbeschäftigungen, so können sie sich
unmöglich so um die Kleinen kümmern, wie deren Wohlfahrt es verlangt; ist es
nicht der Fall, so leben sie eben speciell nur von ihnen, und die Vergütigungen,
die für den Unterhalt gezahlt werden - 3, ja bis 11/2 Taler monatlich, - sind
spärlich genug, um schon für die Bedürfnisse des Kindes nicht hinzureichen.
Kinder, für die über drei Taler gezahlt wird, werden schon als sogenannte
»fette Kinder« betrachtet und den Inhaberinnen viel beneidet.
    Über den Trunkenen und den Kindern wacht ein Engel, dass sie zu keinem
Schaden kommen! - so lautet das Sprüchwort und der Glauben des Volkes. Und in
Wahrheit wachen die Engel des Herrn über der Kinderwelt mit besonderem Schutz,
wie wäre es sonst möglich, dass auch nur der zehnte Teil jener Kleinen, die der
sorgfältigsten elterlichen Aufmerksamkeit genießen, groß wüchse, wie viel mehr
jener Armen, die von ihrer Geburt aus dem Zufall, ja der Feindseligkeit Preis
gegeben sind.
    Die Kinder sind die Lieblinge Gottes!
    Doch die natürlichen Gesetze, nach denen Zeit und Leben geregelt sind, haben
ihren unveränderten Lauf. So ist denn die Zahl der
