 war die Übersicht, die Welland dem Freunde mitteilte, da er sich,
obschon bereits im März von Paris abgereist, doch bei seinem zweimonatlichen,
durch eine Krankheit veranlassten Aufenthalt in der Schweiz und Oberitalien
fortwährend von dem Gang der politischen Angelegenheiten in Kenntnis erhalten
hatte.
    »Mir scheint, Freund,« sagte er zum Schluss, »der redliche Wille einer
Versöhnung und Ausgleichung ist auf keiner Seite sonderlich groß und der
Zwischeninteressen, die in dem Streit spielen, scheinen so viele, dass eine
friedliche Lösung kaum zu denken ist. Es scheint gegenwärtig allein das Ziel der
Beteiligten, vor den Augen der Welt die Schuld des Angriffs und des
bevorstehenden Krieges Einer auf den Andern zu werfen. In Frankreich, ja selbst
in Deutschland, hält man den Krieg für unvermeidlich und erwartet jeden
Augenblick den Ausbruch. Es ist offenbar, dass wir auf einem unterwühlten Boden
stehen, und Niemand kann sagen, nach welcher Seite die Wagschaale sich senken,
wo das gezogene Schwert rasten wird. Alle Verhältnisse scheinen sich umgekehrt
zu haben, Freunde stehen sich feindlich einander gegenüber, alte Feinde haben
den Groll im Busen verschlossen und machen gemeinsame Sache, - willenlos folgt
der Einzelne, Unbedeutende diesem Wogenschlag der Völker, glücklich, wenn er aus
der kommenden Zerstörung sich selbst und das, was ihm teuer ist, in einen
sicheren Port retten wird. Ich fürchte, Freund, auch unser Schicksal wird uns in
das volle Wogengebraus hinaus werfen.«
    »Ja wohl haben Sie Recht, dass alle Verhältnisse verkehrt und aus den Fugen
gerückt sind in diesem Streit!« entgegnete mit Bitterkeit der Grieche. »Steht
nicht das allerchristlichste Frankreich, das streng protestantische England
neben dem ewigen Erbfeind des Kreuzes, um drei Millionen Türken das Recht wahren
zu helfen, zehn Millionen Christen zu unterdrücken, zu tyrannisiren, sie aller
historischen und menschlichen Rechte zu berauben? Zu wem soll das Volk der
Griechen vertrauend aufsehen, zu England und Frankreich, die für ihre Teilnahme
an Navarin mein armes Vaterland zu Grunde richten? die, Sieger über unsere
Tyrannen, ihnen den größten Teil des Volkes, dessen Freiheitskampf ganz Europa
damals zujauchzte, wieder unter die Sohlen warfen? - Macht denn der wiener
Vertrag die Weltgeschichte und die Rechte und die Historie der Völker, oder gab
es ein byzantinisches Reich, das Jahrhunderte Europa voran blühte, und dessen
Verderben die westlichen Staaten durch die Kreuzzüge herauf beschworen, während
sie es dann hilflos in die Hand der Feinde des Kreuzes fallen ließ?!«
    »Ich glaube schwerlich, Freund, dass Sie es besser haben würden unter dem
Szepter oder der Knute Russlands, als Ihre Väter es unter der Peitsche des
Moslems hatten. Sie wünschen die Wiedergewinnung und Erhebung Ihrer
Nationalität. Wohl! aber Russland, Ihr Beschützer,
