 häufig zwinkernden Augen leuchten Humor und Geist. Der Herr
bleibt vor der Rose stehen und betrachtet sie durch das Glas. »Ah magnifique!
Sehen Sie einmal, schöne Nichte, ist das nicht deliciös? Noch so spät und so
süperbe Entfaltung!« Er verweilt einen Augenblick, während der hohe Kreis weiter
schreitet. Sein Auge fällt auf eine Gruppe, die in einem Seitengang des Gartens
steht - ein hoher, alter und ehrwürdig aussehender Mann von feiner
aristokratischer Haltung, an seiner Hand ein junges reizendes Mädchen, und neben
ihnen ein schlichter, einfacher Arbeiter in kräftigen Mannesjahren, mit einer
offenen Blouse und einem grauen Hut bekleidet, den er jetzt in der Hand trägt
und der um einer preußischen Kokarde geschmückt ist, obschon der Mann etwas
Fremdes in seinem Äußern zeigt.
    Die kleine Gesellschaft ist schon früher dem Arzt und Journalisten
aufgefallen, wie sie jetzt dem hohen Herrn am Rosenbaum auffällt. Er winkt ihr,
näher zu treten, und der alte Mann, die Hand des Mädchens fassend, gefolgt von
dem Handwerker, naht sich mit ehrerbietigen, von der feinsten Tournüre zeigenden
Verbeugungen.
    »Wer sind Sie? - Sind Sie fremd hier?«
    »Sire! ich nenne mich Ereuxdeven! und komme aus - aus dem neuen Kanton
Neuenburg, Sie noch ein Mal zu sehen, ehe ich mein Haupt niederlege auf die Erde
meiner und Ihrer Väter.«
    Der hohe Herr scheint betroffen von der Auskunft, die er erhalten. Auf
seinem Antlitz zeigt sich eine schmerzliche tiefe Bewegung. Er sucht sie mit
Gewalt zurückzudrängen.
    »Ist dies Ihre Tochter, Herr Graf?«
    »Mein einziges Kind, Sire, ihre Mutter war aus der Familie Gélieu. Hätte
Gott meine Ehe mit Söhnen gesegnet, Sire, so würden diese Sie um eine neue
Heimat gebeten haben. Ich bin zu alt, um die gewohnte noch zu verlassen. Diesen
Mann hier, den Milchbruder meiner Tochter, den Montagnard mit preussischem
Herzen, begleiten wir auf dem Weg nach Schlesien, wo er sich anzusiedeln
gedenkt.«
    Wiederum zuckt es schwer und trübe über das Antlitz des hohen Herrn. Seine
Hand bricht unwillkürlich achtlos, wie krampfend vom innern Schmerz, die Rose
von dem Strauch an seiner Seite. -
    »Sire!« sagt der Greis, »leben Sie wohl! Möge Gott Sie und Ihr hohes Haus
segnen, unser Herz bleibt das Ihre, auch wenn Ihr Premier nicht den preußischen
Friedrichsd'or für den neuenburger Groschen wagen wollte!«
    »Schweigen Sie, Herr Graf!«
    Der Greis beugt sich auf seine Hand und küsst sie. In die Augen des hohen
Herrn steigt es trübe empor - ein Tropfen - ein kostbares heiliges Nass fällt auf
die Rose in seiner Linken; dann reicht er sie
