 er doch die hochherzige romantische Richtung ihres Geistes und
Herzens zu richtig, um zu zweifeln, dass sie die Gefühle des jungen
Tscherkessenfürsten erwiderte, und das tiefe Nachdenken, in das er so eben
versunken, galt zum großen Teil der seltsamen Schicksalsverkettung des jungen
Paares und seiner Zukunft.
    »Ihre Lage, Prinz,« sagte er endlich, »wird eine äußerst schwierige sein.
Sie wissen, dass der Kampf zwischen den freien Bergvölkern und den Russen auf's
Neue heftig entbrannt ist. Sefer-Pascha und Beisched-Pascha haben ihnen schon im
Sommer bedeutende Hilfsmittel zugeführt, die russischen Festungen am Schwarzen
Meere sind sämtlich zerstört oder in den Händen Ihrer Landsleute und die
Schlacht am Ingur hat auch dort die russische Macht gebrochen. Ich weiß, dass von
den alliirten Flotten nach dem Beginn der besseren Jahreszeit eine große
Expedition an die östlichen Küsten des Schwarzen Meeres ausgeführt werden wird
und dass England Ihren tapfern Vater unterstützt. Er wird von dem Erden seiner
Macht mit Recht fordern, dass er in dem neuen und günstigen Kampf für die
Freiheit an seiner Seite steht, dass er sich würdig zeigt der großen Aufgabe, die
Unabhängigkeit der Stämme, die ihm einst gehorchen werden, gegen die Tyrannei zu
verteidigen. Ich bin ein Greis, Freund, und fühle, dass dieser Krieg der
Fürsten, von dem wir so viel für die Sache allgemeiner Freiheit hofften in einer
Versöhnung ihrer Interessen und ihrer Vorteile auslaufen wird, denn manche
bittere Erfahrung hat mich belehrt, dass Zwiespalt und Eigennutz noch nicht die
Völker zu einer gemeinsamen Erhebung gegen die Unterdrückung reif gemacht. Aber
es gibt Wehrfesten des glorreichen Kampfes, die, wenn der Sieg uns hier
entrissen wird, diesen ewigen Streit fortführen und an denen die entarteten
Völker Europa's sich immer auf's Neue ermutigen. Eine solche stolze Feste ist
der Kaukasus und sein Kampf - wollen Sie sich ihm weihen, wie Ihre Väter taten,
werden Sie eintreten in den Krieg gegen Russland, das Sie bisher mit hundert
Lockungen verführt und Sie jetzt verstösst und verhandelt gleich einer Ware um
zwei wertloser Weiber und adliger Namen willen?«
    Der junge Offizier sah einige Augenblicke ernst vor sich nieder, er fühlte,
dass von seiner Antwort die Meinung des fanatische Greises, vielleicht die
Hoffnung seiner Zukunft abhängig sein würde. Aber er empfand zugleich, dass jedes
Ausweichen, jede Täuschung seiner selbst und seiner Liebe unwürdig sei. -
»Djemala-Din,« sagte er fest und bestimmt, »wird nie sein Schwert im Kampf gegen
den Czaren Nicolaus, seinen Freund und Wohltäter, ziehen.«
    Der alte Pole schaute finster und halb verächtlich auf ihn. »So werden Sie
ein Zwittergeschöpf sein zwischen Krieger und Sklaven, misstraut von den Ihren,
misstraut von Ihren bisherigen
