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    Die Dunkelheit war bereits eingetreten - die Sterne funkelten und blitzten
vom Himmelsgewölbe, scharf und eisig in einzelnen heftigen Stößen fuhr der Wind
über die unermessliche weiße Öde, durch die sich langsam der dunkle Zug des
Bataillons fortschleppte. Die Leute waren seit dem Morgen marschirt und zum Tode
ermüdet; das schwere Gepäck, mit dem sie belastet, vermehrte die Erschöpfung,
denn die Bagagewagen waren mehrere Märsche zurückgeblieben, um die angestrengte
Eile des Zuges nicht zu stören, und nur wenige Schlitten und Karren mit den
nötigsten Bedürfnissen und Vorräten begleiteten den Zug.
    Der Marsch der großen Kolonne geschah stumm und still, kaum dass sich hier
und da ein halb unterdrückter Fluch ober ein Scheltwort der Offiziere und
Unteroffiziere, ein Antreiben der Führer der Gespanne hören ließ. Man fühlte die
unheilschwere Ermattung, die über dem Ganzen lag, die Furcht vor einer drohenden
Gefahr, obschon nirgends ein Anzeichen davon zu blicken war.
    Der russische Soldat ist ein eigentümlicher Mensch: bis zu einer gewissen
Gränze, und diese ist meistenteils die Gränze des Lebens, das Urbild passiven
Gehorsams ohne Empfinden und eigenen Willen, sowohl im Ertragen aller Arten von
Leiden und Gefahren, als im Widerstand gegen dieselben und im Handeln. Es fehlt
ihm durchaus nicht an Vaterlandsliebe, an Gefühl und Opferungsfähigkeit für alle
jene Güter, für welche der Mensch Blut und Leben einsetzt, aber selbst in seinem
Angriff liegt eine gewisse Passivität, ein Fatalismus. Er nimmt sich nur selten
die Mühe, sich Rechenschaft zu geben, und liebt es nicht, auf seine eigene
Entscheidung sich verwiesen zu sehen. Wenn ihm das Kommando erteilt worden ist,
Etwas zu tun, wird er es ausführen, mit Gewalt oder mit List, die ihm
keineswegs fehlt, und er bleibt dabei gleichgültig gegen alle Folgen für ihn
selbst; wenn ihn der Kaiser ruft, wenn der Pope ihm das Kreuz zeigt, wird er mit
einem zähen Fanatismus in jede Gefahr gehen, dessen aufflammende Energie nicht,
aber dessen Ausdauer eine Welt in Erstaunen setzt. Dieser Eigenschaften wegen
ist der russische Soldat, wenn auch nicht der geschickteste, der glorreichste,
so doch - in der Masse wenigstens - vielleicht der beste der Welt.
    Obschon die Kolonne möglichst dicht geschlossen blieb, marschirten die
Soldaten doch zwanglos und mit den üblichen Erleichterungen. Jeder hatte sich,
so gut es ging und die Mittel ihm erlaubten, gegen den erstarrenden Hauch des
eisigen Ostwinds zu schützen gesucht und war bemüht, in fortwährender Bewegung
zu bleiben, und die Offiziere sorgten dafür, dass Keiner die Reihen verließ; denn
Zurückbleiben war in der Schneewüste und der von Minute zu Minute sich
steigernden Kälte der Tod.
    Neben einem jungen Unterfähnrich, der in Wahrheit noch Knabe war, schritt
ein
