 dass Sie mir die Haustüre öffneten und will das vor aller
Welt beschwören. - Seien Sie kein Kind,« fuhr er nach einer Pause fort, als er
sah, dass der Lehrling seinen Kopf abermals in die Hände vergrub und darauf mit
einer Jammermiene empor blickte. »Glauben Sie mir, es soll Niemand ein Leides
geschehen. Sollten Sie aber, sobald ich diese Kammer verlasse, dennoch Geräusch
machen, um Hilfe rufen oder dergleichen Tollheiten treiben, so vergessen Sie ja
nicht, dass Jener, der vorhin über den Gang schlich, in Ihrer Nähe ist und dass
Sie beim ersten Laut ein Kind des Todes sind.«
    August konnte vor Entsetzen kein Wort hervorbringen; er blickte scheu um
sich, denn plötzlich war das Licht der Blendlaterne nicht mehr sichtbar, doch
fühlte er die Hand des fremden Mannes, welcher ihn an der Schulter rüttelte und
ihm in's Ohr raunte: »Haben Sie Ihr Leben lieb und machen Sie keinen Lärm!« -
    Bevor sich an diesem Abend Herr Blaffer zur Ruhe begeben hatte, war er noch
längere Zeit in tiefem Nachdenken im Zimmer auf- und abspaziert. Seine Sachen
waren geordnet, die Papiere über den Kauf ausgewechselt, das Geld lag im Kasten,
er war im Begriff, in ein ganz neues Verhältnis einzutreten, weshalb es denn
auch leicht begreiflich war, dass er den vergangenen Tagen einen kleinen
Rückblick schenkte. Herr Blaffer hatte von seiner frühesten Jugend an tüchtig
gearbeitet, seine Zeit, sein Geld zu Rat gehalten, was ihm übrigens leicht war,
da er nicht von den gewöhnlichen Leidenschaften der Menschen berührt wurde. Er
trank nicht, er spielte nicht, er war gegen das schöne Geschlecht vollkommen
gleichgültig. So musste es denn auch kommen, dass er etwas vor sich gebracht: ja,
Herr Blaffer war auf dem Punkte, ein recht wohlhabender Mann zu werden, als ihm
einige Unternehmungen fehlschlugen und ihn eine bedeutende Summe kosteten. Das
entmutigte ihn und von dem Augenblicke an trachtete er mehr danach, sein
Vermögen zu erhalten, als zu vermehren.
    Da kam jenes Mädchen in sein Haus, und die Flamme, die sein Herz plötzlich
ergriff, brannte um so gefrässiger, als dieses Herz alt, dürr und trocken war.
Vergebens hatte er eine Zeit lang gegen diese Leidenschaft angekämpft: sie war
stärker als sein Wille, er unterlag, und jedes Opfer, welches er gezwungen war,
derselben zu bringen, däuchte ihm leicht zu sein. Desshalb hatte es ihm auch
wenig Kummer gemacht, dass die Firma, die er gegründet, in fremde Hände überging,
dass das Haus, in welchem er geboren, jetzt von Andern bewohnt werden sollte.
Alles Das beschäftigte seinen Geist wenig, aber eine andere Frage lag auf seiner
Seele und
