, durchzuckte den Körper des
Anderen auf eine sehr unangenehme Art.
    Die Gestalt sagte nämlich wie Jemand, der lange vergeblich gewartet, mit
fragendem Tone: »Nun -?«
    »Nun,« wiederholte Herr Beil, indem er scheu auf die Seite blickte. - »Nun?
- Was nun?«
    »Ich meine, ob es bald vor sich geht,« erwiderte das seltsame Wesen; »ich
habe jetzt schon lange genug darauf gewartet.«
    »Und was soll vor sich gehen?« fragte schaudernd der Andere mit kleinlauter
Stimme. »Ich glaube nicht, dass ich Jemand hieher gerufen, um zuzuschauen, was
hier vielleicht geschehen könnte.«
    »Gewiss nicht,« sagte die Gestalt, »ich bin nicht mit Worten gerufen worden,
aber es zog mich auf eigentümliche Weise daher, und da ich nun einmal da bin,
möchte ich nicht lange mehr vergeblich warten; die Sache könnte wohl vor sich
gehen, das Vorspiel war lange genug.«
    »Und wer bist du?« fragte Herr Beil mit gesteigertem Entsetzen, »dass es dir
ein teuflisches Vergnügen macht, zuzuschauen, wie ein unglücklicher Mensch, dem
das Dasein zur Last wurde, seinem traurigen Leben ein Ende macht?«
    »Wer ich bin, tut nichts zur Sache,« entgegnete die Gestalt, »vielleicht
bin ich der Schutzengel der Selbstmörder und habe die Macht, ihnen ein sanftes
Ende zu geben, vielleicht bin ich auch sonst ein Wesen, das besonderen Geschmack
an den Narrheiten der Menschen findet.«
    »An den Narrheiten der Menschen!« wiederholte der Andere; »kann man wohl
eine Tat Narrheit nennen, deren Beweggründe man nicht kennt und begreift?«
    »Jeder Selbstmord ist Narrheit und Feigheit,« antwortete das Phantom, indem
es sich abermals behaglich an die Brüstung lehnte. »Nur ein Narr und ein Feiger
verlässt freiwillig diese Welt: der Erstere, weil er seine Verhältnisse Herr über
sich werden ließ, der Andere, weil er nicht den Mut hat, ein vielleicht
trauriges Leben bis an sein natürliches Ende zu tragen.«
    »Ah! du fühlst es nicht, wie schwer es ist, von dem Licht der Sonne, von
einem Dasein, selbst dem ärmlichsten, Abschied zu nehmen, sonst würdest du eine
solche Tat nicht feige nennen.«
    »Der Mut, der vor den Augen der gewöhnlichen Welt vielleicht dazu gehört,
eine Pistole vor seiner eigenen Stirne abzubrennen, oder in's Wasser zu
springen, ist kein wirklicher Mut; es ist das mehr ein Ausbruch der
Verzweiflung, unterstützt von Nervenaufregungen, der so mit einem Schlage ein
ganzes Leben hinter sich wirst, weil der Selbstmörder, wie schon gesagt, zu
schwach war, um eine lange
