 reichen Manne gefällt, die schöne
Frucht zu pflücken, da er gerade Appetit danach verspürt. - Es ist das wieder
eine schöne Sklavengeschichte: der Herr befiehlt, dieses schöne und reizende
Mädchen solle ihre Mitsklaven verlassen und aus der elenden Dachkammer
hinabsteigen in die schönsten Gemächer des Hauses, damit sie - glücklich werde.
Ein anderer Mitsklave, dem das harte Leben, das er Jahre lang geführt, nur
dadurch erträglich wurde, dass sie hie und da über seinen Weg schritt, dass sie
ihn zuweilen freundlich ansah, dass es ihm dann und wann erlaubt war, ihre Hand
zu streifen oder mit schauerndem Vergnügen ihren Arm, ihre Schulter zu berühren,
wagt es, darüber Vorstellungen zu machen, und da man ihn nicht durchpeitschen
kann, so öffnet man ihm die Türe und stößt ihn wie einen Hund hinaus. - Mich -
mich, mich stößt man hinaus in das kalte nasse Wetter, in den Winter der
Jahreszeit und meines freudenlosen Lebens, während er mit ihr im warmen
behaglichen Zimmer bleibt, und lächelnd von ihrem Lager hinweg an die dunstigen
Fensterscheiben zu treten, die er mit einem Tuche abwischt, das vielleicht von
ihren Tränen feucht ist, und hinaus sieht auf die finstere Straße, wo ein
bleiches Gespenst vorüber schreitet, das im Grabe keine Ruhe finden kann, weil
es die Sehnsucht empor zieht und an jenes Haus zwingt, dass es dort hinstehen muss
und hinauf schauen an das matt erleuchtete Zimmer. O, ich begreife jetzt, wie
ein Mensch nach und nach wahnsinnig werden kann und dabei deutlich fühlt, wie
die Narrheit über ihn herfällt.«
    Der junge Mensch hatte seine Hände gefaltet und schaute auf den Anderen mit
ängstlichen Blicken. »Aber lieber Herr Beil,« sagte er, »was führen Sie für
grässliche und verworrene Reden? - Reden, die mich auf's Tiefste ängstigen, wenn
ich sie auch nicht ganz verstehe.«
    Der Kommis schien ruhiger geworden zu sein und hatte sich wieder auf die
Kiste gesetzt, die er vorhin verlassen. »Ja, ja,« sprach er, tief Atem
schöpfend, »das sind Narrheiten, aber es ist doch ein Körnchen Verstand darin.
Und dies Körnchen Verstand will ich Ihnen zu Ihrem eigenen Nutzen und Frommen
mitteilen, soweit es ihnen dienlich ist und soweit Sie es begreifen können. -
Hören Sie mich an!«
    »Sie kennen sattsam unseren großen Sklavenhändler Blaffer; er hatte der
Sklaven nicht viele, aber einige; er hat sie auch nicht gekauft, denn das ist
bei uns unmöglich, aber sie waren an ihn gekettet durch drückende Verhältnisse -
Verhältnisse, die ihnen nicht erlaubten zu tun wie unsere glücklichen Brüder in
Amerika, nämlich davon zu laufen. Wissen Sie, mein lieber junger Sklave, darin
