 nämlich vor, meine Damen, dieser Herr A., ein reicher
Kapitalist, kann nun einmal von der Idee nicht loskommen, man laure ihm den
ganzen Tag auf, man wolle ihn um's Leben bringen, man wolle sein Geld rauben.
Auf jedem Schritte fürchtet er Räuber und Mörder; deshalb ist sein Haus mit
Graben und Mauer umgeben und deshalb hat dieser arme Mann bei Tag und Nacht
keine ruhige Minute, er vertraut Niemand den Schlüssel zum Hof- und Haustor an;
so oft es klingelt, öffnet er selbst, und sowie es anfängt dunkel zu werden,
bewaffnet er sich und seine Bedienten und macht drei-bis viermal des Nachts eine
förmliche Patrouille durch das ganze Gebäude. Er hat alsdann einen Säbel
umgeschnallt, ein paar Pistolen im Gürtel stecken; sein Bedienter trägt ein
Gewehr sowie eine Laterne an einer langen Stange, und so ziehen sie denn vom
Keller bis hinauf auf den Söller und untersuchen jeden finsteren Winkel, jeden
Riegel, jedes Schloss.«
    »Ja, ja, - so, so,« machte lächelnd der Präsident; »ich glaube, mir geht ein
Licht auf.«
    »Es ist auffallend,« fuhr der Baron in gleichmütigem Tone fort, »wie eine
solche Furcht vor Räubern und Mördern ansteckt.«
    »Doch Sie nicht?« fragte die Präsidentin.
    »O meine gnädige Frau, ich für meine Person wäre beinahe zur Furchtsamkeit
geneigt, aber ich kenne das Schalten und Treiben unserer vortrefflichen Polizei
und bin deshalb äußerst ruhig. - Aber nein, ich wollte Ihnen nur sagen, dass ein
solches Beispiel der Furchtsamkeit auf sehr merkwürdige Art schwache Charaktere
mit ergreifen kann. Als ich nämlich vor zwei Jahren hier war, bekam ich zufällig
einen Bedienten, den jener Herr A. entlassen; es war dies ein ganz brauchbarer
und tüchtiger Mensch, bis auf seine Furcht vor Räubern und Mördern. Darin hatte
ihn das Beispiel seines früheren Herrn so verdorben, dass ich fast einen andern
Burschen gebraucht hätte, um jenem bei Tag und Nacht Gesellschaft leisten zu
lassen. Sobald es dunkel wurde, scheute er sich, allein über Korridore und
Treppen zu gehen. Da er aber, wie gesagt, sonst ein ordentlicher Mensch war, so
nahm ich ihn über diese Lächerrlichkeiten vor und versuchte es, sie ihm
auszureden. - Umsonst! Sein früherer Herr hatte die Phantasie des Burschen
systematisch mit Räubergeschichten vollgepfropft, wie man einen Kettenhund, um
ihn schärfer zu machen, dadurch reizt, dass man von außen an's Hoftor oder an
seine Hütte schlägt.«
    »Und er glaubte an diese Räubergeschichten?« fragte sehr aufmerksam der
Präsident.
    »Vollkommen; in seiner Phantasie existirte eine ganze wohlorganisirte
Räuberbande, die sollte ihren Sitz - ich weiß
