 dämmerhaften Seelenzustand zurückzudringen
versuche, so entdecke ich noch wohl, dass ich den Gott meiner Kindheit nicht
liebte, sondern nur brauchte und dass damit das lebendige Gefühl der Liebe auch
für alles übrige Leben nicht zum Erwachen kam und nur schwer durch die
unnatürlich übergeworfene Eisdecke dringen konnte. Jetzt erst wird mir der trübe
kalte Schleier ganz deutlich, welcher über jener Zeit liegt und mir dazumal die
Hälfte des Lebens verhüllte, mich blöde und scheu machte, dass ich die Leute
nicht verstand und mich selbst nicht zu erkennen geben konnte in meiner vollen
Natur, so dass die weisen Erzieher vor mir standen als vor einem Rätsel und
sagten Dieses ist ein seltsames Gewächs, man weiß nicht viel damit anzufangen!
    Desto eifriger verkehrte ich im stillen mit mir selbst, in der Welt, die ich
mir allein zu bauen gezwungen war. Meine Mutter kaufte mir nur äußerst wenig
Spielzeug, immer und einzig darauf bedacht, jeden Heller für meine Zukunft zu
sparen, und erachtete in ihrem Sinne jede Ausgabe für überflüssig, welche nicht
unmittelbar für das Notwendigste geopfert wurde. Sie suchte mich dafür durch
fortwährende mündliche Unterhaltungen zu beschäftigen und erzählte mir tausend
Dinge aus ihrem vergangenen Leben sowohl wie aus dem Leben anderer Leute, indem
sie in unserer Einsamkeit selbst eine süße Gewohnheit darin fand. Aber diese
Unterhaltung sowie das Treiben im wunderlichen Nachbarhause konnte doch zuletzt
meine Stunden nicht ausfüllen, und ich bedurfte eines sinnlichen Stoffes,
welcher meiner schaffenden Gewalt anheimgegeben war. So war ich bald darauf
angewiesen, mir mein Spielzeug selbst zu schaden. Das Papier, das Holz, die
gewöhnlichen Aushelfer in diesem Falle, waren schnell abgebraucht, besonders da
ich keinen männlichen Mentor hatte, welcher mich mit Handgriffen und Künsten
bekannt machte. Was ich so bei den Menschen nicht fand, das gab mir die stumme
Natur. Ich sah aus der Ferne bei vornehmern Knaben, dass sie artige kleine
Naturaliensammlungen besaßen, besonders Steine und Schmetterlinge, und von ihren
Lehrern und Vätern angeleitet wurden, dergleichen selbst auf ihren Ausflügen zu
suchen. Ich ahmte dieses nun auf eigene Faust nach und begann gewagte Reisen
längs der Bach- und Flussbette zu unternehmen, wo ein buntes Geschiebe an der
Sonne lag. Bald hatte ich eine gewichtige Sammlung glänzender und farbiger
Mineralien beisammen, Glimmer, Quarze, bunte Kiesel und solche Steine, welche
mir durch ihre abweichende Form auffielen, wie Schieferstücke, gegenüber einem
seltsam verwaschenen Kiesel usw. Glänzende Schlacken, aus Hüttenwerken in den
Strom geworfen, hielt ich ebenfalls für wertvolle Stücke, Glasperlen für
Edelsteine, und der Trödelkram der Frau Margret lieferte mir einigen Abfall an
polierten Marmorscherben und halb durchsichtigen Alabasterschnörkeln, welche
überdies noch eine antiquarische Glorie durchdrang. Für diese Dinge verfertigte
ich Fächer und Behälter und legte ihnen wunderlich beschriebene Zettel bei. Wenn
die
