 die alten Gesellen was zu lachen bekämen. Auch an
manchen Toten seiner Bekanntschaft erinnerte er sich und freute sich auf die
Wiederbelebung verjährten Unfuges beim Wiedersehen. Ich hörte ihn immer nur in
solch lustiger Art vom zukünftigen Leben sprechen. Er war nun blind und bald
neunzig Jahre alt, und wenn er, von Schmerzen, Trübsal und Schwäche heimgesucht,
traurig und klagend wurde, so sprach er nichts von diesen Dingen, sondern rief
immer, man sollte die Menschen totschlagen, ehe sie so alt und elend würden.
    Endlich ging er aus wie ein Licht, dessen letzter Tropfen Öl aufgezehrt ist,
schon vergessen von der Welt, und ich, als ein herangewachsener Mensch, war
vielleicht der einzige Bekannte früherer Tage, welcher dem zusammengefallenen
Restchen Asche zu Grabe folgte.
    Gleich dem Chorus in den Schauspielen der Alten hatte ich von meiner
frühsten lugend an das Leben und die Ereignisse in diesem nachbarlichen Hause
betrachtet und war ein allezeit aufmerksamer Teilnehmer. Ich ging ab und zu, aß
und trank, was mir wohlgefiel, setzte mich in eine Ecke oder stand mitten unter
den Handelnden und Lärmenden, wenn etwas vorfiel. Ich holte die Bücher hervor
und verlangte, wessen ich von den Sehenswürdigkeiten bedurfte, oder spielte mit
den Schmucksachen der Frau Margret. Alle die mannigfaltigen Personen, welche in
das Haus kamen, kannten mich, und jeder war freundlich gegen mich, weil dieses
meiner Beschützerin so behagte. Ich aber machte nicht viele Worte, sondern gab
acht, dass nichts von den geschehenden Dingen meinen Augen und Ohren entging. Mit
all diesen Eindrücken beladen, zog ich dann über die Gasse wieder nach Hause und
spann in der Stille unserer Stube den Stoff zu großen träumerischen Geweben aus,
wozu die erregte Phantasie den Einschlag gab. In der Tat muss ich auf diese erste
Kinderzeit meinen Hang und ein gewisses Geschick zurückführen, an die
Vorkommnisse des Lebens erfundene Schicksale und verwickelte Geschichten
anzuknüpfen und so im Fluge heitere und traurige Romane zu entwerfen, deren
Mittelpunkt ich selbst oder die mir Nahestehenden waren, die mich viele Tage
lang beschäftigten und bewegten, bis sie sich in neue Handlungen auflösten, je
nach der Stimmung und dem äußern Ergehen. In jener ersten Zeit waren es kurze
und wechselnde Bilder, welche sich rasch und unbewusst formierten und
vorbeigingen, wie die befreiten Erinnerungen und Traumvorräte eines Schlafenden.
Sie verflochten sich mir mit dem wirklichen Leben, dass ich sie kaum von
denselben unterscheiden konnte.
    Daraus nur kann ich mir unter anderm eine Geschichte erklären, welche ich
ungefähr in meinem siebenten Jahre anrichtete und die ich gar nicht begreifen
könnte, da die schlimme Art derselben sonst nicht in meinem Wesen liegt und sich
zeiter auch in keiner Weise wiederholt hat. Ich saß einst hinter dem Tische,
mit irgendeinem Spielzeuge beschäftigt,
