 ob du es gerade noch in Schuldsachen tätest, da du es in allen anderen
Dingen doch auch tun und ein unglückseliger Patron mit oder ohne Schulden sein
würdest. Wenn du aus alledem unbescholten und als ein Freund deiner Freunde
hervorgehst, so bist du mein Mann! Du wirst die Abhängigkeit unseres Daseins
menschlich fühlen gelernt haben und das Gut der erkämpften Unabhängigkeit auf
eine edlere Weise zu brauchen wissen als der, welcher nichts geben und nichts
schuldig sein will.«
    Idealisiert ist das wahre Wesen des ehrlichen Schuldenmachens im Cid,
welcher den Juden eine Kiste voll Sand versetzt und sagt »Es ist Silber darin!«
und dann erst auszieht, um auf gut Glück mit dem Schwerte in der Hand seine Lüge
wahr zu machen! Welche Verdrießlichkeiten, wenn ein Neugieriger vor der Zeit die
Kiste erbrochen und untersucht hätte! Und doch wäre es derselbe Cid gewesen,
dessen Leiche noch das Schwert ein bisschen aus der Scheide zog, als sie ein Jude
am Bart zupfen wollte!
    Wir wollen indessen den grünen Heinrich nicht mit jenem tapfern Cid
vergleichen, welcher in seinem Manneshandwerk ein Meister war und jeden
Augenblick wusste, was er wollte. Heinrich wusste dies, als er wie ein Robinson in
der zivilisierten Wildnis nach Nahrungsmitteln ausgehen sollte, schon nicht mehr
deutlich, und die beiden Entdeckungsreisen, diejenige nach seiner menschlichen
Bestimmung und diejenige nach dem zwischenweiligen Auskommen, trafen auf höchst
missliche Weise zusammen. Genug, da er vor allem Musse brauchte, so war er sein
eigener Mäzen und machte Schulden.
 
                                Fünftes Kapitel
Er verschwieg dies sorgsam vor seiner Mutter, schrieb ihr aber auch nicht, dass
er etwas erwerbe, da es ihm nicht einfiel, sie anzulügen, und da es ihm in der
Tat bei seiner Sorglosigkeit und seinem sichern Gefühl, dass er schon etwas
werden müsse und würde, ganz gut erging, so berichtete er der Mutter in jedem
Briefe, es ginge ihm gut, und erzählte ihr weitläufig allerlei lustige Dinge,
die ihm begegneten oder welche er in dem fremden Lande beobachtete. Die Mutter
hingegen glaubte echt frauenhaft, wenn man von einem Übel nicht spreche, so
bleibe es ungeschehen, und hütete sich, ihn nach etwaigen Schulden zu befragen,
in der Meinung, dass wenn solche noch nicht vorhanden wären, so würden sie durch
diese Erkundigung hervorgerufen werden; auch hatte sie keine Ahnung davon, dass
ihr Söhnchen, welches sie so knappgehalten hatte, in seiner Freiheit etwa so
lange Kredit finden würde. Sie hielt ihre Ersparnisse fortwährend bereit, um sie
auf die erste Klage teilweise oder ganz abzusenden, während Heinrich seine Lage
verschwieg und sich an das Schuldenwesen gewöhnte, und es war rührend komisch,
wie beide Teile über diesen Punkt ein feierliches Schweigen beobachteten und
sich stellten, als ob man von der
