 alle Ursache, über sein
eigenes Ungeschick zu erstaunen, als der Mann in seinem Entwurfe
herumwirtschaftete und denselben so trefflich behandelte und zusammenrückte, dass
durch die Anwendung der kräftigen und praktischen Meisterkünste des dicken Herrn
Heinrichs Idee erst schön und wahrhaft idealisiert wurde. Es zeigte sich, dass
das reale technische Wissen und Empfinden allein die Gedanken gut macht und noch
bessere von sich aus vermittelt und hervorzurufen imstande ist. Durch das bloße
Besprechen und Durcharbeiten der äußeren technischen Seite des Gegenstandes
taten sich mehrere ganz neue und glückliche Motive auf, welche gewissermaßen in
der Natur der Sache lagen und doch die ursprünglichen Erfindungen des armen
Heinrich, so geistreich dieselben waren, an Wirkung weit hinter sich ließ.
    Der Künstler hatte in einer halben Stunde, immerfort sprechend, auf ein
besonderes Blatt seine Meinung hingezeichnet und so in aller Raschheit eine
treffliche Meisterskizze hergestellt, welche füglich für eine wertvolle
Handzeichnung gelten konnte und welche Heinrich mit äusserstem Wohlgefallen
betrachtete. Als aber die Audienz beendigt war, faltete der Meister ruhig das
Blatt zusammen, steckte es in die Tasche und überließ den dankbaren Heinrich
freundlich seinen weiteren Bestrebungen.
    Dieser setzte sich denn auch rüstig an die Arbeit; allein hier ahnte er eben
nicht, woran es lag, dass sein Bild nun doch nicht so wurde, wie es nach allen
diesen Umständen hätte werden sollen. Das zu einer Sache berufene besondere
Talent macht diese, sobald ihm ein Licht aufgesteckt ist, ohne weiteres immer
gut, und das erste, was es von Hause aus mitbringt, ist ein glückliches Geschick
zum vollständigen Gelingen. Der allgemeine wohleingerichtete Kopf aber kann sich
mit hundert Dingen beschäftigen, dieselben verstehen und einsehen, ohne es darin
zu einem reif gestalteten Abschluss zu bringen; nur eine lange und bittere
Erfahrung oder eine augenblickliche Erleuchtung können manchmal ein
vorübergehendes Zusammenraffen und eine Ausnahme hervorbringen, welche aber das
ganze Wesen nur noch rätselhafter und meistens misslicher machen. Dies ist das
innere Wesen des gebildeten, strebsamen, talentvollen Dilettantismus, und
tausend Existenzen in allen Lebenstätigkeiten, berühmt oder unberühmt, haben in
ihm ihr Geheimnis. Sie treiben und betreiben, suchen und haschen im Schweiße
ihres Angesichtes und mit hochtrabender Zufriedenheit, während ihr wahres
Geschick, ihre eigentümliche Kraft schlummert für ewige Zeiten oder für eine
andere Sache aufbewahrt bleibt. Besonders in Literatur und Kunst sucht der
Dilettantismus die mangelnde naive Meisterschaft durch Neuheit und
Betriebsamkeit in allerhand Versuchen zu ersetzen, zeichnet sich fortwährend
durch halbe Anläufe aus und gewinnt nach diesen einige Poesie, einiges Patos in
einem wehmütigen elegischen Ende. Er bereitet die Blütezeit vor, bringt sie zu
Fall und verscharrt sie eifrigst, düngt aber wieder ihr Grab zu neuem Wachstum.
Er ist der große Vermittler, Dämpfer und Hinhalter in der Weltökonomie; denn
wenn die schlafenden Meisternaturen, die zweifelsohne jeden Augenblick vorhanden
