 entgegengesetzt zu verhalten, in der
Tat und in der Wahrheit. Was dies heißen will, darüber soll jeder im
vorkommenden Fall nachdenken. Die Werkzeuge sind obige unnütze und eitle Köpfe,
blasierte und verdorbene Fähigkeiten aller Art, deren verkünsteltem und
autoritätssüchtigem Wesen es besser zusagt, sich in eine marktschreierische und
metodische Autoritätskompanie zu retten, wenn auch als »Leichnam«, als sich der
offenen, einfachen und naiven Weltbewegung, die sie in ihrer Verschrobenheit für
trivial halten, anzuschließen. Es ist eine Krankheit, welche man die
Talentfäulnis nennen könnte und welche vorzüglich in Übergangszeiten entsteht
und wuchert. Den damit Behafteten ist es nicht gegeben und nicht möglich, ihre
Anlagen reifen zu lassen und mit anderen ehrlichen Leuten an derselben
unmittelbaren Sonne des Lebens zu gehen und zu wirken; sie wollen das Allgemeine
überholen und überlisten, und indem sie einen Vorsprung zu gewinnen trachten,
geben sie sich dem Gemachten und Künstlichen, dem Komplizierten und Mittelbaren
hin, dem Unechten und dem Erlogenen, und von diesem Gebiete aus, wo es ihnen
nicht mehr möglich ist, recht zu tun, werden sie die geschworenen Feinde des
Allgemeinen, das schlecht und recht vorwärtsgeht. Dies Unwesen in allen Graden,
auf jedem Boden und in jeder Umgebung zu bekämpfen und zu ersticken und jedes
kranke Glied abzuschneiden, ist der beste Kampf auch gegen den Jesuitismus.
    So kam Heinrich zu der Überzeugung, dass das historische und politische
Bewusstsein weniger in der Ausbildung eines spezifischen Hasses gegen die Hemmung
als in der Reinigung und Befestigung seiner selbst bestehen und hiedurch
wesentlich die Aufmerksamkeit, Tätigkeit und Hoffnung gelenkt werden solle.
Schon weil alles das, was sich reaktionär nennt, jederzeit hasserfüllt, straf-
und rachsüchtig ist, so kann es der Fortschritt unmöglich sein, oder er ist
keiner. Die Reaktion liebt z.B. das Blut, folglich darf es der Fortschritt nicht
lieben, wenn er ihr wahrhaft überlegen sein will. Auch die gerechteste Rache
führt den eigenen schliesslichen Untergang mit sich, und die heldenmütigsten
Rächer bringen mit ihrem Siege höchstens eine große Tragödie zustande; es
handelt sich aber eben in der Geschichte und Politik um das, was die kurzatmigen
Helden und Rhetoren nie einsehen nicht um ein Trauerspiel, sondern um ein gutes
Ziel und Ende, wo die geläuterte unbedingte Einsicht alle versöhnt, um ein
großes heiteres Lustspiel, wo niemand mehr blutet und niemand weint. Langsam,
aber sicher geht die Welt diesem Ziele entgegen.
    Mit einem Worte, Heinrich erlangte die gute und nützliche Erkenntnis alles,
was wir an unseren Gegnern verwerflich und tadelnswert finden, das müssen wir
selber vermeiden und nur das an sich Gute und Rechte tun, nicht allein aus
Gutmütigkeit und Neigung, sondern recht aus Zweckmässigkeit und energischem
geschichtlichen Bewusstsein.
    Wie er nun dazu noch sah,
