 Vorstellungen, zuinnerst der moralische Fruchtkern eines freien
Willens keime zum emporstrebenden Baume, dessen Äste gleichwohl wieder sich zum
Grunde hinabbögen, dem sie entsprossen, um dort unablässig aufs neue Wurzeln zu
schlagen.
    Diesen Prozess, sagte er sich, kann man am füglichsten mit einer Reitbahn
vergleichen. Der Boden derselben ist das Leben dieser Welt, über welches es gilt
hinwegzukommen auf gute Manier, und kann zugleich den festen derben Grund aller
Materie vorstellen. Das wohlgeartete und geschulte Pferd ist das besondere,
immer noch materielle Organ, der Reiter darauf der gute menschliche Wille,
welcher jenes zu beherrschen und zum freien Willen zu werden trachtet, um auf
edlere Weise über jenen derben Grund wegzukommen; der Stallmeister endlich mit
seinen hohen Stiefeln und seiner Peitsche ist das moralische Gesetz, das aber
einzig und allein auf die Natur und Eigenschaften des Pferdes gegründet ist und
ohne dieses gar nicht vorhanden wäre, nicht »gedacht werden könnte«, wie die
Juden sagen. Das Pferd aber würde ein Unding sein, wenn nicht der Boden da wäre,
auf welchem es traben kann, so dass also sämtliche Glieder dieses Kreises durch
einander bedingt sind und keines sein Das ein ohne das andere hat, ausgenommen
den Boden der stummen und blinden Materie, welcher daliegt, ob jemand über ihn
hinreite oder nicht. Nichtsdestoweniger gibt es gute und schlechte Reitschüler,
und zwar nicht allein nach der körperlichen Befähigung, sondern auch, und zwar
vorzüglich, infolge des freien entschlossenen Zusammennehmens. Den Beweis dafür
liefert das erste beste Reiterregiment, das uns über den Weg reitet. Die tausend
Mann Gemeine, welche keine Wahl hatten, mehr oder weniger aufmerksam zu lernen,
sondern durch eine eiserne Disziplin in den Sattel gewöhnt wurden, sind alle
gleich zuverlässige und brave Reiter, keiner zeichnet sich besonders aus, keiner
bleibt zurück, und um das Bild von einem tüchtigen und gesunden Schlendrian des
gemeinen Lebens vollständig zu machen, kommen ihnen die zusammengedrängten und
in die Reihe gewöhnten Pferde auf halbem Wege entgegen, und was der Reiter etwa
versäumen sollte, tut unfehlbar sein Organ, das Pferd, von selbst. Erst wo
dieser Zwang und Schlendrian oder das bitter Notwendige der Masse aufhört und wo
die Freiheit beginnt, beim hochlöblichen Offzierkorps, gibt es sogenannte gute
Reiter, schlechtere Reiter und vorzügliche Reiter; denn diese haben es in ihrer
Gewalt, über das geforderte Maß hinaus mehr oder weniger zu leisten. Das
Ausgezeichnete, Kühne, was der Gemeine erst im Drange der Schlacht, in
unausweichlicher Gefahr und Not unwillkürlich und unbewusst tut, die großen Sätze
und Sprünge, übt der Offizier alle Tage zu seinem Vergnügen, aus freiem Willen
und gewissermaßen teoretisch; doch fern sei es von ihm, dass er deswegen
allmächtig sei und nicht trotz allem Mut und aller seiner Kunst
