 der Entfernung der Himmelskörper und der Schnelligkeit des
Lichtes, von der Tatsache, dass wir allaugenblicklich Licht, also Körper mit
ihren Schicksalen, in ihrem Bestehen, wahrnehmen, welches vor einem Jahre, vor
hundert, tausend und mehr Jahren gewesen ist, dass wir also mit einem Blicke
tausend Existenzen tausend verschiedener Zeiträume auffassen, vom nächsten Baume
an, welchen wir gleichzeitig mit seinem wirklichen augenblicklichen Dasein
wahrnehmen, bis zu dem fernen Stern, dessen Licht länger unterwegs ist, als das
Menschengeschlecht unsers Wissens besteht, und der vielleicht schon nicht mehr
war, ehe dasselbe begann, und den wir doch jetzt erst sehen.
    Wo bleibt da noch eine Unruhe, ein zweifelhaftes Sehnen nach einer
unbegriffenen Ewigkeit, wenn wir sehen, dass alles entsteht und vergeht, sein
Dasein abmisst nacheinander und doch wieder zumal ist?
    Das Licht hat aber den Sehnerv gereift und ihn mit der Blume des Auges
gekrönt, gleich wie die Sonne die Knospen der Pflanzen erschliesst; es hat das
Auge scheinbar selbständig sich gegenüber gesetzt, so dass, wenn das Auges des
Tieres und des bewusstlosen Menschen sich schließt, für dasselbe auch kein Licht
mehr in der Welt ist; aber im bewussten Menschen bleibt die Erfahrung, und durch
die Generationen vereinigt die eingeborne Kunde wieder die Welle mit der Quelle,
das Auge mit dem Lichte, so dass beide eines sind, und wenn ein Auge sich
schliesset, so weiß es noch ist das Licht da und genug Augen, es zu sehen. Das
Licht hat den Gesichtssinn hervorgerufen, die Erfahrung ist die Blüte des
Gesichtssinnes, und ihre Frucht ist der selbstbewusste Geist; durch diesen aber
gestaltet sich das Körperliche selbst um, bildet sich aus, und das Licht kehrt
in sich selber zurück aus dem von Geist strahlenden Auge. Denn der Geist,
welchen die Materie die Macht hat in sich zu halten, hat seinerseits die Kraft,
in seinen Organen dieselbe zu modifizieren und zu veredeln, alles mit
»natürlichen Dingen«, und jeder Lebende, der mit Vernunft lebt und insofern er
sich fortpflanzt oder erhebliche Geistestaten übt, hat im strengsten Sinne des
Wortes seinen bestimmten Anteil z.B. an der Ausbildung und Vergeistigung des
menschlichen Gehirnes, seinen ganz persönlichen, wenn auch unmessbaren Anteil.
    Nur diesen Kreislauf können wir sehen und erkennen, und wir tun es; was
darüber hinaus liegen sollte, das geht uns zunächst nichts an und darf uns
nichts angehen; denn so erfordert es die große Ökonomie des Weltlebens und der
Welterkenntnis. Sollte wider allen sinnlichen Anschein und alles sinnliche
Gefühl ein übernatürliches geistiges Gottwesen der Urgrund der Natur und unser
aller sein, so würde erst recht dieses Wesen selbst solche Ökonomie in die Welt
gelegt und angeordnet haben, auf dass alles seinen Gang gehe und nichts
vorweggenommen werde
