 geschaffen! Sie ist ein krankhafter Abszess dieses
Nichts, ein Abfall Gottes von sich selbst. Das Schöne, das Poetische, das
Göttliche besteht eben darin, dass wir uns aus diesem materiellen Geschwür wieder
ins Nichts zurückabstrahieren, nur dies kann eine Kunst sein! - Aber mein Lob
muss sogleich einen Tadel gebären, oder vielmehr die Aufforderung zu weiterm
energischen Fortschritt! In diesem reformatorischen Versuch liegt noch immer ein
Thema vor, welches an etwas erinnert, auch wirst du nicht umhinkönnen, um dem
herrlichen Gewebe einen Stützpunkt zu geben, dasselbe durch einige verlängerte
Fäden an den listen dieser Föhren zu befestigen, sonst fürchtet man jeden
Augenblick, es durch seine eigene Schwere herabsinken zu sehen. Hiedurch aber
knüpft es sich wiederum an die abscheulichste Realität! Nein, grüner Heinrich!
nicht also! nicht hier bleibe stehen! Die Striche, indem sie bald sternförmig,
bald in der Wellenlinie, bald rosettenartig, bald geviereckt, bald radienartig,
strahlenförmig sich gestalten, bilden ein noch viel zu materielles Muster,
welches an Tapeten oder bedruckten Kattun erinnert. Fort damit! Fange oben in
der Ecke an und setze einzeln nebeneinander Strich für Strich, eine Zeile unter
die andere; von zehn zu zehn mache durch einen verlängerten Strich eine
Unterabteilung, von hundert zu hundert eine wackere Oberabteilung, von tausend
zu tausend einen Abschluss durch einen tüchtigen Sparren. Solches Dezimalsystem
ist vollkommene Zweckmässigkeit und Logik, das Hinsetzen der einzelnen Striche
aber der in vollkommener Tendenzfreiheit in reinem Dasein sich ergehende Fleiß.
Zugleich wird dadurch ein höherer Zweck erreicht. Hier in diesem Versuche zeigt
sich immer noch ein gewisses Können; ein Unerfahrener, Nichtkünstler hätte diese
Gruselei nimmer zustande gebracht. Das Können aber ist von zu leibhafter Schwere
und verursacht tausend Trübungen und Ungleichheiten zwischen den Wollenden; es
bringt die tendenziöse Kritik hervor und steht der reinen Absicht fort und fort
feindlich entgegen. Das moderne Epos zeigt uns die richtige Bahn! In ihm zeigen
uns begeisterte Seher, wie durch dünnere oder dickere Bände hindurch die
unbefleckte, unschuldige, himmlisch reine Absicht geführt werden kann, ohne je
auf die finsteren Mächte irdischen Könnens zu stoßen! Eine goldschnitteitere
ewige Gleichheit herrscht zwischen der Brüderschaft der Wollenden! Mühelos und
ohne Kummer teilen sie einige tausend Zeilen in Gesänge und Strophen ab; der
wahre Fleiß an sich freut sich seines Daseins, kein schlackenbeschwerter
Könnender stört die Harmonie der Wollenden. Und weit entfernt, dass der Bund der
Wollenden etwa eine einförmige, langweilige Schar darstellte, birgt er vielmehr
die reizendste Mannigfaltigkeit in sich und kommt auf den verschiedensten Wegen
zum Ziele. Hauptsächlich teilt er sich in drei große Heerlager; das eine dieser
Heerlager will, das heißt arbeitet, ohne etwas gelernt zu haben; das zweite
wendet mit eiserner Ausdauer das Gelernte, aber nicht Begriffene an
