, Dürers Schüler und Hausgenoss und kunstreich im Malen auf
Pergament, in zierlich goldschimmernden und azurblauen Arabesken und Figuren,
dann der Bildhauer Peter Flötner, ein geistvoller handsicherer Gesell und
Künstler. Einzeln ging jetzt ein schöner Edelknabe mit dem Wappen, das in
himmelblauem Felde drei silberne Schildchen zeigt und von Maximilian dem großen
Meister für die ganze geehrte Künstlerschaft gegeben worden ist. Der Sinn dieses
Wappens dürfte sich am einfachsten in den Begriff von Tafeln oder Schilderei
auflösen. Hätten die Maler selbst es bestimmen dürfen, so würden sie
wahrscheinlich in hergebrachtem Sinne eine Trophäe der bekannten
Malergerätschaften gewählt haben; der wappenkundige und poetische Kaiser aber
wusste das einfache Besondere in die einfachste allgemeine sinnige Form zu
kleiden.
    Hinter diesem anmutigen Wappen schritt nun Albrecht Dürer, zwischen seinem
Lehrer Wohlgemut und Adam Kraft, wie zwischen den guten Genien seines eigenen
Namens. Für seine Person hatte sich ein Maler gefunden, der sein Äußeres, mit
Ausnahme der Kleidung, nicht zu ändern brauchte, um dem Bildnisse des deutschen
Meisters, das dieser selbst von sich gefertigt, beinahe ganz zu gleichen. Die
hellen Ringellocken fielen, zu beiden Seiten gleich gescheitelt, ganz so auf die
breiten pelzgeschmückten Schultern nieder, das gedankentiefe, fromme heitere
Antlitz schien aus jenem Bilde herausgeschnitten, und ein schlankgeformter
geschmeidiger Leib bewegte sich in dem schwarzen Untergewande. Diese Erscheinung
war ganz germanisch und ganz christlich, und wenn sich auch in den geringelten
Haaren ein anmutiger Schalk ahnen ließ, so war auch dieser christlich und ließ
sich von der kirchlich angetrauten bösen Ehehälfte geduldig unter die Erde
zanken.
    Wie anders jener römische Raffael, der, vom Anschauen des alten Marmors
gesättigt, im Christlichen nur das Menschliche sah und sein kurzes blühendes
Leben in freudebringendem gewaltigem Schaffen und freier Frauenliebe verzehrte.
Albrecht war ein eifriger Reformationsmann, eben weil er ein tiefer Christ war;
hätte Raffael die Reformation empfunden und mitgelebt, er würde vielleicht nicht
Raffael gewesen sein. Der Glückliche träumte in einer anderen Welt, und Papst
wie Luther gingen wie Schatten an seinem Auge vorüber.
    Albrecht Dürer schloss als der letzte die vorüberwandelnde Schar der Bildner
und Werkleute. Sie war der bedeutsamste Teil des ganzen Zuges gewesen, weil sie
für alle noch eine Wahrheit war. Wenn auch nicht als organisches, republikanisch
bürgerliches Gemeinwesen erwachsen wie jenes reichsstädtische, sondern durch das
Wort eines zufälligen Fürsten zusammengerufen, gepflegt und bestärkt, hatten
alle diese Männer und Jünglinge nicht nur durch die ungebrochene äußere Gestalt,
sondern auch durch ihr Können und Wollen die Fähigkeit und das Recht, jene
bewährten Vorfahren darzustellen. Denn es war kein dilettantisches Bestreben,
was in dieser Stadt herrschte, sondern die Meisterschaft blühte in hundert
Zweigen in glänzend reifender Technik. Außer den vielen Malern und Bildhauern
gingen Baumeister, Erzgiesser, Glas- und Porzellanmaler, Holzschneider
