 die köstlichen Früchte von
Erz reiften, die in alle Länder hin sich verbreiteten. Die Wiege eines Helden,
Staatsmannes oder Dichters müsste einmal in solcher Werkstatt stehen, wo unter
leidenschaftlich bewegter Arbeit die ehernen Gestalten und eine Welt ebenmässiger
Zieraten aus einem Kerne sich bilden und das lang ausdauernde Schaffen einem
lebendigen Epos gleicht.
    Zu den edelsten und vertrauenswertesten Gestalten einer wohlbestehenden
Stadt gehören die kundigen Baumeister. Sie stehen unter allen Künstlern dem Rat
am nächsten und sind dem Bürgerkinde stets eine werte Erscheinung, welche ihm
Einsicht, Maß und Zierde bedeutet, Rat und Tat für das öffentliche Ganze wie für
das Bedürfnis des einzelnen. Sie sind am innigsten mit Land und Boden verbunden;
denn sie bauen das Unbewegliche und müssen daher kundig sein in Fels und Wald
wie am rauschenden Wasser. Ganz in diesem Sinne erschien in dem Zuge mit den
Maurer- und Zimmermeistern besonders der eine der beiden Behaims, Hans, von dem
die Nachrichten sagen, er sei angesehen gewesen bei Rat und Gemeinde, freundlich
und gütigen Bescheids gegen jedermann wie gegen die geringsten seiner
Arbeitsleute. Wenn man an die zierbegabten und gewaltigen Bauwerke jener
Glanzzeit denkt, so muss man dieses Mannes vorzüglich zugleich gedenken. Wir
aber, die wir nach menschlicher Schwachheit immer lieber das auffallende und
seltsame Gute als das in gereihter sicherer Ordnung Erwachsene betrachten, sehen
jetzt mit Vorliebe jenen großen dickstarken Mann heranschreiten, den Zimmermann
Georg Weber, zu dessen grauem Kleide es einer Unzahl von Ellen handfesten Tuches
bedurfte. Dieser war ein rechter Wäldervertilger; denn mit seinen Werkleuten,
die er alle so groß und stark aussuchte, wie er selber war, mit dieser
Riesenschaft werkte er so mächtig in Bäumen und Balken und zugleich so sinnreich
und künstlich, dass er seinesgleichen nicht fand. Aber er war auch ein trotziger
Volksmann und machte im Bauernkrieg den Bauern Geschütze aus grünen Waldbäumen,
aus welchen sie ganz emsig auf die Adeligen schossen. Er sollte desnahen zu
Dinkelsbühl geköpft werden. Allein der Rat von Nürnberg löste ihn wegen seiner
Kunst und Nutzbarkeit aus und machte ihn zum Stadtzimmermeister; denn er baute
nicht nur schönes und festes Sparren- und Balkenwerk, sondern auch Mühl- und
Hebemaschinen und gewaltige lasttragende Wagen und fand für jedes Hindernis,
eine jede Gewichtmasse einen Anschlag unter seiner starken Hirnschale. Das
merkwürdigste war nun, dass er weder lesen noch schreiben konnte und bei aller
dieser trotzigen Stärke doch so genau, masstreffend, sorgfältig und fast zart in
seinem Werke war, wie es nur die mit frommer Kindesunschuld gepaarte Kraft des
Volkes sein kann.
    Endlich erschien, eröffnet von zwei »Lehrbuben«, die eigentliche Zunft der
Maler und Bildhauer; wie bei allen anderen Zünften folgten auch hier nach den
Lehrlingen die Träger der Zunftzeichen und nach diesen zwei Gesellen der Maler
Hans Spring in Klee
