 Gewerke
schon durch den Meistergesang mit der Kunst verbunden waren, so ging beinahe
jedes einzelne unmittelbar in die bildende Kunst über und hatte bei derselben
als Legaten die Sprösslinge seiner Werkstatt. So waren hier mit den Buchdruckern
die Formschneider gepaart, deren Kunst alsobald der jungen Buchdruckerei zur
Seite ging und in dem damaligen Drange, jedem geeigneten Raume Form und Bild
aufzudrücken, sich blühend entfaltete. Ein tödlicher Frost ist dann lange Jahre
hindurch auf diesen Blütendrang, der in allem Handwerk trieb, gefallen, und erst
in neuester Zeit erholt er sich wieder ein wenig und fängt gerade, die bis zur
Überfeinerung gediehene Kupferstecherei der verdunkelten Jahre überspringend,
wieder da an wie ehemals, nämlich beim Holzschnitt. Aber noch wuchert mit der
zehnfachen Mühe, mit welcher das Gute zu tun wäre, das Krabbelige, Charakterlose
und Schwächliche und überwuchert das Klare und Feste, und das Übel scheint von
oben zu kommen, wo man den festen Gedanken, der zur festen Form gehört, nicht
freigeben will. Bezeichnend hiefür ist ein Zug, welcher sich unlängst zutrug.
Der König eines großen deutschen Staates hatte über seine eigenen
Porzellanwerkstätten in ernster Kunst ergraute Männer gesetzt, dass sie die
Formen der Gefäße überwachten und den unreinen Geschmack austrieben und
fernhielten. Allein eine überroyalistische Zeitung tadelte des Königs Maßregel
und bemerkte ziemlich unbotmässig, dass sich die vornehme Welt wohl keinen
Geschmack vorschreiben ließe und den Rokokostil, welchen sie einmal zu ihrem
Zeichen erhoben, aufrechtzuhalten wissen werde. Diese Palastrevolution gelang
denn auch insofern, als die Pairs des Landes nicht des Königs rein geformte
Blumengeschirre kauften, sondern sich anderwärts mit solchen versahen, welche
einem aufrechtstehenden gefrorenen Waschlappen gleichen, und die Wächter des
Geschmackes bewachten trauernd des Königs Ladenhüter.
    Neben Hans Schäufelein, dem fleißigen Schüler Albrecht Dürers, ging unter
den Holzschneidern ein kleines Männchen in einem Mäntelchen von Katzenpelz und
einer ebensolchen Zipfelkappe. Dies war Hieronymus Rösch, ein großer
Katzenfreund, in dessen stiller Arbeitsstube überall spinnende Katzen saßen, am
Fenster, auf Bänken und auf dem Tische.
    Auf das dunkle Katzenmännchen folgte eine lichte Erscheinung, die
Silberschmiede, in himmelblauem und rosenrotem Gewand mit weißem Überwurf, die
Klarheit und das kunstweckende Wesen ihres Metalles verkündend, während die Gold
schmiede, ganz rot gekleidet in schwarzdamastenem Mantel und reich mit Gold
gestickt, den tieferen Glanz ihres Stoffes zur Schau trugen. Silberne Bildtafeln
und goldgetriebene Schalen wurden ihnen vorangetragen; die plastische Kunst
lächelte hier aus silberner Wiege, und die neugeborene Kupferstecherkunst hatte
hier ihren metallischen Ursprung, wunderlich getrennt von dem Holzschnitt,
welcher mit der schwärzlichen Buchdruckerei ging.
    Mit Holz und Kupfer nur hatten es die nun auftretenden Kupfertreiber und
Ornamentschneider zu tun, dafür waren sie aber schon ganz Künstler und
unbezweifelte Bildwerker. Sebastian Lindenast arbeitete seine kupfernen Gefäße
und Schalen so schön und kostbar
