 dass man das, was ein anderer soeben gesagt, für
erlogen halte - welches wieder auf einen andern noch tieferen Übelstand schließen
ließ. Auch die allgemeine deutsche Autoritätssucht, welche so wunderlich mit der
unendlichen Nachgiebigkeit und Unterwürfigkeit kontrastierte, machte einen
peinlichen Eindruck auf die Deutschen vom Grenzsaume des großen Volkes; einer
donnerte, die Vorteile seiner Stellung benutzend, den andern an, und wer niemand
mehr um sich hatte, den er anfahren, dem er imponieren konnte, der prügelte
seinen Hund. Recht eigentlich weh aber tat den Freunden die gegenseitige
Verachtung, welche sich die Süd- und Norddeutschen bei jeder Gelegenheit
angedeihen ließ und welche ihnen ebenso auf ganz grundlosen Vorurteilen zu
beruhen als schädlich schien. Bei Völkerfamilien und Sprachgenossenschaften,
welche zusammen ein Ganzes bilden sollen, ist es ein wahres Glück, wenn sie
untereinander sich etwas aufzurücken und zu sticheln haben; denn wie durch alle
Welt und Natur bindet auch da die Verschiedenheit und Mannigfaltigkeit, und das
Ungleiche und doch Verwandte hält besser zusammen; aber es muss Gemüt und
Verstand in dem Scherzkampfe sein und dieser zutreffend auf das wahre Wesen der
Gegensätze. Das, was die Nord- und Süddeutschen sich vorwerfen, ist tödlich
beleidigend, indem diese jenen das Herz, jene aber diesen den Verstand
absprechen, und zugleich kann es keine unbegründetere und unbegreiflichere
Tradition und Meinung geben, die nur von wenigen der tüchtigsten Männer beider
Hälften nicht geteilt wird. Wo im Norden wahrer Geist ist, da ist immer und
zuverlässig auch Gemüt, wo im Süden wahres Gemüt, da auch Geist. Es gibt in
Norddeutschland Unwissende und Strohköpfe unter den Gebildeten und in
Süddeutschland unter den Bauern Witzbolde und Spekulanten. Wenn nun die drei so
oft hören mussten, wie die Nordmänner die Süddeutschen für einfältige Leutchen,
für eine Art gemütlicher Duseler ausgaben, und diese ihre nordischen Brüder
hinter dem Rücken anmassende Schwätzer und unerträgliche Prahlhänse schalten, so
schnitt ihnen dies widerliche Schauspiel ins Herz, weil sie gekommen waren, den
Herd des guten lebendigen deutschen Geistes zu finden, und nun eine große
Waschküche voll unnützen Geplauders zu sehen glaubten.
    Wie es Fremdlingen oft zu ergehen pflegt, welche in einem Lande oder in
einer Stadt im Genuße des Gastrechtes zusammentreffen, dass sie, dasselbe übel
vergeltend, Geist und Sitten, welche sie vorfinden, mit der entfernten Heimat
vergleichen und sich in gemeinsamem Tadel auf Kosten des gastlichen Landes
einigen, übertrieben auch die drei Freunde vielfach ihren Tadel, nachdem sie
einmal den Schmerz einer großen Enttäuschung empfunden zu haben glaubten, und
sie redeten sich oft in einen großen Zorn hinein und sagten Deutschland
feierlich ab. Erikson sagte, er wolle seiner Zwitternatur ein Ende machen und
ein guter Däne werden; Lys behauptete, man müsse an den Deutschen ihr Großes und
Eigentümliches benutzen und sich im
