 sind.
    Weil Heinrich auf eine unberechtigte und willkürliche Weise an Gott glaubte,
so machte er unter anderm auch allegorische Landschaften und geistreiche, magere
Bäume; denn wo der wundertätige Spiritualismus im Blute steckt, da muss er trotz
Aufklärung und Protestation irgendwo heraustreten. Der Spiritualismus ist
diejenige Arbeitsscheu, welche aus Mangel an Einsicht und Gleichgewicht der
Erfahrungen und Überzeugungen hervorgeht und den Fleiß des wirklichen Lebens
durch Wundertätigkeit ersetzen, aus Steinen Brot machen will, anstatt zu ackern,
zu säen, das Wachstum der Ähren abzuwarten, zu schneiden, dreschen, mahlen und
zu backen. Das Herausspinnen einer fingierten, künstlichen, allegorischen Welt
aus der Erfindungskraft, mit Umgehung der guten Natur, ist eben nichts anderes
als jene Arbeitsscheu; und wenn Romantiker und Allegoristen aller Art den ganzen
Tag schreiben, dichten, malen und operieren, so ist dies alles nur Trägheit
gegenüber derjenigen Tätigkeit, welche nichts anderes ist als das notwendige und
gesetzliche Wachstum der Dinge. Alles Schaffen aus dem Notwendigen und
Wirklichen heraus ist Leben und Mühe, die sich, selbst verzehren, wie im Blühen
das Vergehen schon herannaht; dies Erblühen ist die wahre Arbeit und der wahre
Fleiß; sogar eine simple Rose muss vom Morgen bis zum Abend tapfer dabeisein mit
ihrem ganzen Korpus und hat zum Lohne das Welken. Dafür ist sie aber eine
wahrhaftige Rose gewesen.
    Es war so artig und bequem für Heinrich, dass er eine so lebendige
Erfindungsgabe besaß, aus dem Nichts heraus fort und fort schaffen,
zusammensetzen, binden und lösen konnte! Wie schön, lieblich und mühelos war
diese Tätigkeit, wie wenig ahnte er, dass sie nur ein übertünchtes Grab sei, das
eine Welt umschloss, welche nie gewesen ist, nicht ist und nicht sein wird! Wie
wunderbar dünkte ihm die schöne Gottesgabe des vermeintlichen Ingeniums, und wie
süß schmeckte das Wunder dem rationellen, aber dankbaren Gottgläubigen! Er wusste
sich nicht recht zu erklären und ging darüber hinweg, dass sein Freund Lys, wenn
er nur einige Stunden in der Woche still und aufmerksam gemalt hatte, viel
zufriedener und vergnügter schien, obgleich er ein arger Ateist war, als
Heinrich, wenn er die ganze Woche komponiert und mit der Kohle gedichtet. Desto
bescheiden wohlgefälliger nahm er die Achtung vieler jungen Deutschen hin,
welche sein tiefsinniges Bestreben lobten und ihn für einen höchst respektablen
Scholaren erklärten.
    Warum Heinrich nicht auf dem kürzesten Wege, durch das gute Beispiel
Ferdinands, das ihm so nahe war, zur gesunden Wahrheit zurückkehrte, fand seinen
Grund eben in der Verschiedenheit ihrer religiösen Einsichten. Der Holländer
hatte ohne besondere Aufregungen abgeschlossen und war ruhig; Heinrich griff ihn
beständig an; aber Ferdinand setzte ihm jene Art von Überlegenheit entgegen,
welche nicht sowohl aus der Wahrheit als aus der Harmonie der Grundsätze mit
