 ich nun, dass das Unbegreifliche
und Unmögliche, das Abenteuerliche und Überschwengliche nicht poetisch sind und
dass, wie dort die Ruhe und Stille in der Bewegung, hier nur Schlichteit und
Ehrlichkeit mitten in Glanz und Gestalten herrschen müssen, um etwas Poetisches
oder, was gleichbedeutend ist, etwas Lebendiges und Vernünftiges
hervorzubringen, mit einem Wort, dass die sogenannte Zwecklosigkeit der Kunst
nicht mit Grundlosigkeit verwechselt werden darf. Dies ist zwar eine alte
Geschichte, indem man schon im Aristoteles ersehen kann, dass seine stofflichen
Betrachtungen über die prosaisch-politische Redekunst zugleich die besten
Rezepte auch für den Dichter sind.
    Denn wie es mir scheint, geht alles richtige Bestreben auf Vereinfachung,
Zurückführung und Vereinigung des scheinbar Getrennten und Verschiedenen auf
einen Lebensgrund, und in diesem Bestreben das Notwendige und Einfache mit Kraft
und Fülle und in seinem ganzen Wesen darzustellen, ist Kunst; darum
unterscheiden sich die Künstler nur dadurch von den anderen Menschen, dass sie
das Wesentliche gleich sehen und es mit Fülle darzustellen wissen, während die
anderen dies wiedererkennen müssen und darüber erstaunen, und darum sind auch
alle die keine Meister, zu deren Verständnis es einer besonderen
Geschmacksrichtung oder einer künstlichen Schule bedarf.
    Ich hatte es weder mit dem menschlichen Wort noch mit der menschlichen
Gestalt zu tun und fühlte mich nur glücklich und zufrieden, dass ich auf das
bescheidenste Gebiet mit meinen Fuß setzen konnte, auf den irdischen Grund und
Boden, auf dem sich der Mensch bewegt, und so in der poetischen Welt wenigstens
einen Teppichbewahrer abgeben durfte. Goethe hatte ja viel und mit Liebe von
landschaftlichen Dingen gesprochen, und durch diese Brücke glaubte ich ohne
Unbescheidenheit mich ein wenig mit seiner Welt verbinden zu können.
    Ich wollte sogleich anfangen, nun so recht mit Liebe und Aufmerksamkeit die
Dinge zu behandeln und mich ganz an die Natur zu halten, nichts Überflüssiges
oder Müssiges zu machen und mir bei jedem Striche ganz klar zu sein. Im Geiste
sah ich schon einen reichen Schatz von Arbeiten vor mir, welche alle hübsch,
wert- und gehaltvoll aussahen, angefüllt mit zarten und starken Strichen, von
denen keiner ohne Bedeutung war. Ich setzte mich ins Freie, um das erste Blatt
dieser vortrefflichen Sammlung zu beginnen; aber nun ergab es sich, dass ich eben
da fortfahren musste, wo ich zuletzt aufgehört hatte, und dass ich durchaus nicht
imstande war, plötzlich etwas Neues zu schaffen, weil ich dazu erst etwas Neues
hätte sehen müssen. Da mir aber nicht ein Blatt eines Meisters zu Gebote stand
und die prächtigen Blätter meiner Phantasie sogleich in nichts sich auflösten,
wenn ich den Stift auf das Papier setzte, so brachte ich ein trübseliges
Gekritzel zustande, indem ich aus meiner alten Weise herauszukommen suchte,
welche ich verachtete, während ich sie jetzt sogar nur
