 durch das Regieren weise
werden. Doch alle Weisheit half ihm jetzt nicht, den Holzhändler und den Wirt zu
einer Verständigung zu bringen, damit er der Regierung berichten könne, welcher
Zug der Straße in der Gegend allgemein gewünscht werde. Jeder der beiden Männer
verteidigte hartnäckig seinen Vorteil; der Holzhändler hielt sich schlechtweg an
den Vernunftgrund, dass die Wahl zwischen einer ebenen und graden Linie und
zwischen einem Berge heutzutage unzweifelhaft sein müsse, und barg so seinen
eigenen Vorteil hinter die Vernunft; auch ließ er merken, dass er als Mitglied
der Behörde derselben zum Siege zu verhelfen hoffe. Der Wirt dagegen sagte
geradezu, er wolle sehen, ob er es um die Regierung verdient habe, dass man ihm
das Haus seiner Väter in eine Einöde setze! Herabzusteigen und an dem feuchten
Wasser sich anzunisten wie eine Fischotter, dazu werde man ihn nicht überreden;
oben, wo es trocken und sonnig, sei er geboren, und dort werde er auch bleiben!
Hierauf versetzte sein Gegner lächelnd das möge er unbehindert tun und von der
Freiheit träumen, während er ein Untertan seiner Vorurteile sei; andere zögen es
vor, in der Tat frei zu sein und sich munter umherzutreiben. Schon fing die
Gelassenheit an zu weichen und bei den beiderseitigen Anhängern Worte wie
Starrsinn und Eigennutz! laut zu werden, als ein fröhlicher Haufe den Tell zur
Fortsetzung seiner Taten abholte; denn er sollte noch auf die Platte springen
und den Vogt erschießen. Etwas zornig brach er auf, indes auch die übrigen sich
zerstreuten und nur Anna mit ihrem Vater und ich sitzen blieben. Die Unterredung
hatte einen peinlichen Eindruck auf mich gemacht; besonders am Wirt hatte mich
dies unverhohlene Verfechten des eigenen Vorteiles, an diesem Tage und in
solchem Gewande, gekränkt; diese Privatansprüche an ein öffentliches Werk, von
vorleuchtenden Männern mit Heftigkeit unter sich behauptet, das Hervorkehren des
persönlichen Verdienstes und Ansehens widersprachen durchaus dem Bilde, welches
von dem unparteiischen und unberührten Wesen des Staates in mir war und das ich
mir auch von den berühmten Volksmännern gemacht hatte. Ich äußerte diesen
Eindruck in vorlauten Worten gegen Annas Vater, hinzufügend, dass mir der Vorwurf
der Kleinlichkeit, des Eigennutzes und der Engherzigkeit, welcher den Schweizern
von fremden, namentlich deutschen Reisenden gemacht würde, nun bald gerecht
erschiene. Der Schulmeister milderte in etwas meinen Tadel und forderte mich zur
Duldsamkeit auf mit der menschlichen Unvollkommenheit, welche auch diese sonst
wackeren Männer überschatte. Übrigens, meinte er, sei nicht zu leugnen, dass
unsere Freiheitsliebe noch zu sehr ein Gewächs der Scholle sei und dass unseren
Fortschrittsmännern die wahre Religiosität fehle, welche in das schwere
politische Leben jenen heitern, frommen, liebevollen Leichtsinn bringe, der aus
warmem Gottvertrauen entspringe und erst die rechte Opferfreudigkeit, die
allerfreieste Beweglichkeit von Leib
